Belg

Sozialdumping: Belgische Justiz will 300 LKW der Jost-Gruppe beschlagnahmen

Die Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel will rund 300 Lastwagen der belgisch-luxemburgischen Spedition Jost Group beschlagnahmen. Laut Medienberichten beschuldigt die Justiz das Transport- und Logistikunternehmen, das im luxemburgischen Weiswampach seinen Hauptsitz hat, weiter des Sozialbetrugs. Die Jost Group soll Lkw-Fahrer aus osteuropäischen EU-Mitgliedsländern über Subunternehmen in deren Heimatländern zu entsprechend geringen Gehältern und Sozialabgaben beschäftigen. Tatsächlich sollen diese Fahrer mit ihren Lastwagen aber teilweise ausschließlich in Belgien unterwegs sein.

Die belgische Staatsanwaltschaft ermittelt laut RTBF seit mehr als zwei Jahren gegen die Jost Group. Den Schaden, den das Unternehmen über Sozialdumping im belgischen Sozialwesen alleine zwischen 2014 und 2016 angerichtet haben soll, beziffert die Staatsanwaltschaft in Brüssel auf rund 55 Mio. €. Ob auch dem luxemburgischen Staat über solche Machenschaften Schaden zugefügt wurde, ist nicht bekannt.

Bereits im Mai 2017 durchsuchten belgische Ermittler über ein Rechtshilfegesuchen die Jost-Zentrale in Luxemburg. Firmengründer und -chef Roland Jost und einige seiner Mitarbeiter wurde damals festgenommen. Jost selbst wurde aber einige Tage später aus der der Untersuchungshaft entlassen.

Nach Meldungen der belgischen Wirtschaftszeitungen L’Echo und De Tijd hat die belgische Justiz bereits 19 Lkws der Jost Group beschlagnahmt. Die Vorwürfe gegen das Unternehmen betreffen Menschenhandel, Geldwäsche, Sozialbetrug und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Flip Franssen

Die Jost Group soll bis zu 1.000 osteuropäische LKW-Fahrer beschäftigen, die teilweise in Belgien aber auch in anderen EU-Ländern unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Sie halten sich auf Anordnung ihres Unternehmens bis zu sechs Wochen an einem Stück in ihren Fahrerkabinen auf und arbeiten für Monatslöhne, die, je nach Land, nur zwischen 400 und 800 € liegen. Die Lastwagen sind in verschiedenen osteuropäischen Ländern angemeldet, aber nicht in Belgien.

Transport-Gewerkschaften in Belgien und Luxemburg begrüßen den neuen Vorstoß der Staatsanwalt in diesem Dossier. Das Unternehmen selbst weist nach wie vor alle Anschuldigungen zurück und fechtet die Beschlagnahmungen an.

Zwischen Jost und der belgischen Justiz ist ein Gerichtsstreit darüber entbrannt, ob die Beschlagnahmung rechtens ist und überhaupt durchgeführt wurde oder werden darf. Jost wirft der Justiz zudem in einer Pressemitteilung vor, Kunden und Personal zu beunruhigen und falsche Informationen zu dem Fall zu veröffentlichen. Dies wiederspreche dem Prinzip der Unschuldsvermutung. 

Weitere Nachrichten