Prinz Laurent und die Gelder aus Libyen: Außenminister Reynders wusste Bescheid

Vor einigen Tagen hatte Prinz Laurent, der Bruder des belgischen Königs, der Regierung vorgeworfen, sie unterstütze ihn nicht bei dem Versuch, in Libyen investierte Gelder nach dem Rückzug der dortigen Regierung aus einem Bewaldungsprojekt zurückzufordern. Dabei geht es auch um in Belgien eingefrorene libysche Gelder, von denen allerdings Zinsen abfließen. Jetzt wurde durch Dokumente deutlich, dass Belgiens Außenminister Didier Reynders (MR - Foto) belgischen Firmen zu ihrem Recht verhalf, dem Prinzen allerdings nicht.

In einigen belgischen Tageszeitungen tauchten Berichte auf, in denen es um Dokumente ging, die belegen, dass die belgische Bundesregierung seit dem Sturz der Regierung des Diktators Gaddafi im August 2012 Unternehmen aus unserem Land dabei half, ausstehende Zahlungen einzufordern. 

Unter diesen Dokumenten ist ein Schreiben des damaligen und heutigen Außenministers Didier Reynders zu finden, in dem dieser seinem libyschen Kollegen eine Liste mit 8 hiesigen Unternehmen zukommen ließ, denen sein Land noch Rechnungen zu bezahlen habe.

Prinz Laurent und seine Anwälte fordern bereits seit Jahren, dass ihnen die belgische Regierung auf die gleiche Weise dabei hilft, seine Investitionen zurückzufordern, denn die libysche Regierung hatte die Verträge mit dem Bruder des Königs einseitig aufgekündigt, doch die Finanzmittel nicht zurückerstattet (siehe nebenstehenden Beitrag).

„Hier wird deutlich mit zwei Maßen und Gewichten gearbeitet“

Anwalt Laurent Arnauts, Rechtsbeistand von Prinz Laurent

„Jeder hier ist schockiert. Hier wird deutlich mit zwei Maßen und Gewichten gearbeitet“, sagte Laurents Anwalt Laurent Arnauts nach den Presseberichten zur Tatsache, dass Belgien Unternehmen dabei hilft, ausstehende Rechnungen zu begleichen, dem Prinzen dies aber verweigert, bzw. dessen Ansinnen schlichtweg ignoriere.

Inzwischen laufen im Finanzausschuss des belgischen Bundesparlamentes Anhörungen zu den Vorgängen um im Auftrag der Vereinten Nationen in Belgien eingefrorene libysche Gelder und Fonds, von denen allerdings Zinserträge abfließen - wohin auch immer. In den kommenden Tagen werden dazu auch die damals zuständigen Bundesminister angehört. Offenbar hat Prinz Laurent mit seinen Forderungen Salz in eine offene Wunde gestreut…