Ambition und Machbarkeit

Während Greta Thunberg im Europaviertel Politikern vorwarf, dass sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten, wurden einige Kilometer weiter ehrgeizige Pläne geschmiedet, um den Forderungen der für den Klimaschutz schulschwänzenden Jugendlichen Rechnung zu tragen. Doch reichen diese aus? Ein Kommentar von Ruben Mooijman in der Zeitung De Standaard. Aus dem Niederländischen von U.Ne.

Die flämischen Sozialisten haben sich ein System ausgedacht, um den Wohngebäudebestand schnell klimafreundlicher zu gestalten. Denn trotz aller Bemühungen, Förderungen und Prämien entweicht immer noch viel fossile Wärme aufgrund von schlecht isolierten Dächern, Wänden und Fenstern. Die Tatsache, dass die SP.A. nun vorschlägt, mit Hilfe innovativer Finanzierungsmöglichkeiten einen Gang höher zu schalten, zeugt genau von der Art von Ehrgeiz, den die demonstrierenden Jugendlichen verlangen.

Aber wird das auch so wahrgenommen? Der Kontrast zwischen den Slogans der protestierenden Klimajugend und der Widerspenstigkeit der täglichen politischen Entscheidungen ist groß. ‘Es gibt noch immer keine konkreten Maßnahmen‘, sagte Anuna De Wever. Die gibt es schon, allerdings gibt es nicht genug davon. Ungefähr zur gleichen Zeit kündigte die flämische Ministerin Lydia Peeters (Open VLD) an, dass sechs von zehn Neubauten schon jetzt den „Fast Nullenergie“-Standard erfüllten, der im Jahr 2021 verbindlich wird. Ein Ergebnis der effizienten Politik der flämischen Regierung.

Natürlich reicht es nicht aus, sich nur um Neubauten zu kümmern. Die Renovierung der restlichen Häuser, von denen die Hälfte mehr als fünfzig Jahre alt ist, ist eine viel größere Herausforderung. Das Problem ist, dass das viel Geld kostet. Neunzig Milliarden Euro. ‘Gigantisch‘, findet selbst die SP.A. Das ist der Preis für die Ambitionen, die Greta, Anuna und Kyra fordern. Und dabei sprechen wir lediglich von den Klimabemühungen für den Immobilienbestand.

Die eigentliche Herausforderung besteht in dem von Greta Thunberg geforderten Anspruch, die finanzielle, politische und gesellschaftliche Durchführbarkeit in Einklang zu bringen. Das ist ein Wort, das die Klimajugendlichen wahrscheinlich nicht so sehr mögen. Es beinhaltet langweilige Meetings, lange Verfahren, komplizierte Entscheidungen und lästige Kompromisse. Es ist relativ weit von der Entschlossenheit entfernt, die die jungen Leute sehen wollen.

Doch ist zu hoffen, dass sie den Druck aufrechterhalten und weiterhin mehr Ehrgeiz fordern, als es den Politikern lieb ist. Denn nur so werden Dinge bewegt - wie z.B. der ehrgeizige Plan, alle flämischen Häuser mit ausreichender Isolierung auszustatten.

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