N-VA will neue Atomkraftwerke - Atomkraftgegner protestieren vor N-VA-Kongress

Die N-VA hat an diesem Samstag auf der Flanders Expo (Gent) einen Studientag mit dem Titel "V-Dag" zum Thema Energie und Ökologie abgehalten. Geht es nach den flämischen Regionalisten von der N-VA, müssten die beiden jüngsten Kernkraftwerke Belgiens 10 Jahre länger offen bleiben. Das kündigte die N-VA bei ihrem Parteikongress in Gent an.

Und auch über den Bau eines neuen Atomkraftwerks könne diskutiert werden, wenn das wirtschaftlich rentabel sei, heißt es in der Broschüre "Ökorealismus", die die N-VA am Samstag an ihrem V-Tag vorstellte. Die flämischen Regionalisten, die von sich behaupten, "Öko-Realisten" zu sein, sind der Ansicht, dass der Ausstieg aus der Kernenergie im Jahr 2025 nicht mehr möglich sei, und plädieren deshalb für die Aufrechterhaltung der Aktivität der am wenigsten veralteten Kernkraftwerke. Sie wollen die Frist für den Atomausstieg in Belgien gar auf 2065 verschieben.

Die N-VA veranstaltet bis zu den belgischen Wahlen am 26. Mai mehrere Studientage wie der am heutigen Samstag, allerdings zu unterschiedlichen Themen. An diesem Samstag stand das Thema "Energie und Ökologie" im Mittelpunkt. Dabei warb die Partei für ihre "ökorealistische" Vision. Einer der heutigen Redner vor rund 800 N-VA-Mitgliedern auf der Flanders Expo in Gent war der Amerikaner Michael Shellenberger. Er ist einer der stärksten Befürworter der Kernenergie. Seiner Meinung nach handele es sich bei der Kernenergie um eine billige, sichere und klimafreundliche Lösung.

Die Hälfte der belgischen Stromversorgung hängt von der Kernenergie ab. Wenn Belgien auch die andere Hälfte der Kernenergieversorgung ausfüllen wolle, brauche es laut Shellenberger nur drei zusätzliche Kernkraftwerke. Shellenbergers Vorschlag steht natürlich im krassen Widerspruch zum geplanten Atomausstieg in Belgien im Jahr 2025.

Doch schon seit längerem kritisiert die N-VA dieses Timing. Nach Ansicht der Partei sei der Ersatz der heutigen nuklearen Kapazitäten durch erneuerbare Energien und (neue) Gaskraftwerke bis 2025 unrealistisch und nicht bezahlbar. Deshalb setzt sich die N-VA dafür ein, die beiden am wenigsten veralteten Kernkraftwerke 10 Jahre länger offen zu halten.

"Auf diese Weise bleibt das Licht an, der Preis erschwinglich und man vermeidet zehn Jahre lang 6 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß. Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben: Das ist das Äquivalent zur Wegnahme aller Autos von den Straßen in Flandern. Aller Personenwagen. Und das also zehn Jahre lang", sagte Anneleen Van Bossuyt, die mit diesen Worten den Studientag abschloss.

Sie forderte die anderen Parteien, insbesondere die Grünen, auf, zu erklären, wie Belgien nach 2025 auf Kernenergie verzichten könne. "Ich will Zahlen sehen", sagte Van Bossuyt. "Bitte erklären Sie uns die Rechnung für den Atomausstieg.“ Denn das zuständige Ministerium könne noch so viel verschleiern und vernebeln: „Das sind nicht 15 Euro pro Familie, sondern eine Rechnung von über 9 Milliarden Euro“, so Van Bossuyt noch.

Atomkraftgegner demonstrieren am Eingang des Kongresses

Während des Kongresses führten Aktivisten der Bewegung vom 11. März - der Name verweist auf die Fukushima-Katastrophe vor 8 Jahren - eine Protestaktion am Eingang des Gebäudes durch. "Die Kernenergie ist unerschwinglich, unzuverlässig und unmöglich zu kontrollieren", so Johan Malcorps, Mitglied der Organisation und der Grünen Partei. Auch der Bau neuer Atomkraftwerke ist für den Verband keine Lösung. "Man träumt laut. Das ist kein Öko-Realismus, sondern Öko-Surrealismus", betonte Malcorps.