Antwerpen zählt mehr Einwohner mit Migrationshintergrund als ohne

Die flämische Hafenmetropole Antwerpen hat in Sachen Bevölkerungszahlen einen historischen Wendepunkt erreicht. Jüngsten Erhebungen zufolge leben dort zum ersten Mal mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Bewohner flämischen bzw. belgischen Ursprungs. Die Bevölkerungsstatistik lässt erkennen, dass dieser Umschwung vor allem an den Kindern liegt.

Antwerpen zählt zur Zeit dieser Erhebung 527.461 offiziell gemeldete Einwohner. Das sind knapp 3.000 Menschen mehr, als vor einem Jahr. Die Bevölkerungszahl in Antwerpen steigt also weiter und aller Voraussicht nach wird das auch so bleiben. Derzeit sind genau 49,9 % der Antwerpener Bevölkerung autochthon, sprich einheimisch und seit Generationen dort zu Hause. Das bedeutet, dass zum ersten Mal überhaupt mehr Einwohner der Stadt allochthon ist, sprich einen Migrationshintergrund hat. Die größte Gemeinschaft bilden die Einwohner aus nordafrikanischen Staaten, gefolgt von Asiaten und Westeuropäern.

Kinder unter 10 Jahren

Der Grund für diesen Wendepunkt sind die Geburtenzahlen, denn diese liegen bei den Einwohnern mit Migrationshintergrund in Antwerpen höher als bei den belgisch-stämmigen Bürgern. Bei Kindern zwischen 0 und 10 Jahren liegt der Anteil im Durchschnitt bei drei Vierteln (je nach Viertel oft noch höher). Tom Meeuws (SP.A - Foto unten), Antwerpens neuer Sozialschöffe, sagte dazu am Montagmorgen gegenüber VRT NWS, dass man mit dieser Bevölkerungsstatistik nicht allzu verkrampft umgehen sollte: „Es handelt sich hier um Menschen verschiedenster Ansichten und Anschauungen. Man kann da keine Linie durch ziehen. Das sind alles Menschen, deren Träume in Antwerpen liegen.“

„Wir geben ihnen alle Chancen"

Meeuws ist der Ansicht, dass Einwanderung eigentlich kein wirkliches Thema ist: „Alle diese Menschen sind zu 100 % Antwerpener. Wir geben ihnen alle Chancen. Doch greifen sie auch danach?“ Ein Thema in diesem Zusammenhang sei allerdings der Flüchtlingsstrom, so Meeuws: „Die Menschen kommen in großer Zahl zu uns. Da haben wir noch viel Arbeit vor uns. Sie müssen die Sprache lernen und sollen auf der Suche nach Arbeit begleitet werden. Ohne Anstrengungen wird uns das nicht gelingen.“ Der Antwerpener Sozialschöffe will in dieser Frage mit den Randgemeinden zusammenarbeiten, doch das stößt vorläufig noch auf Probleme: „Ich hörte, dass einige Gemeinden keinen Straßenbahnanschluss wollen, weil sie Angst davor haben, dass dies ihre Bevölkerungsstatistiken färbt. Es geht hier nicht um Einwanderung. Lebt man auf dem gleichen Boden, dann gehört man dazu.“  

Tom Meeuws

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