Belgiens Gewerkschaften einigen sich nach 2 Jahren mit Ryanair

Die Gewerkschaften in Belgien haben sich nach 2 Jahren sozialer Konflikte mit der irischen Billigflug-Gesellschaft Ryanair auf ein allumfassendes Sozialabkommen geeinigt, das alle Personalbereiche betrifft. Die Gewerkschaften sind hochzufrieden. Gipfel des Sozialkonflikts mit Ryanair war der „heiße Sommer“ 2018, als in Belgien und anderen EU-Ländern bei der Low-Cost-Airline gestreikt wurde.

Die Jahre 2017 und 2018 waren für Ryanair nicht nur in Belgien geschäftlich eine schwierige Zeit. Tausende Flüge mussten im Zuge von diversen Streiks und Arbeitsniederlegungen gestrichen werden und der Ruf des Billigfliegers ging nach unten. Vor allem das fliegende Personal, Piloten und das Bordpersonal, wollten von den steigenden Gewinnmargen bei Ryanair ihren Teil in Löhnen und Gehältern wiederfinden. Ryanair machte das Billigfliegen und das Fliegen für Jedermann definitiv möglich, doch Flugtickets schon für unter 10 € müssen finanziert werden, mitunter auf Kosten des Personals. Das wollten die Gewerkschaften zunächst in Belgien nicht mehr mitmachen.

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(c) Bram Saeys/Hollandse Hoogte

Vor zwei Jahren platzte die Bombe und es brach ein nicht enden wollender Sozialkonflikt aus. Überall in Europa, in Belgien, in den Niederlanden, in Deutschland, in Italien und letztendlich auch in der Ryanair-Heimat Irland bäumten sich die Piloten und das Kabinenpersonal gegen die schlechten Arbeitsbedingungen auf und auch gegen die schlechte Bezahlung.

Viele Piloten von Ryanair suchten sich andere Jobs bei anderen Fluggesellschaften und die, die blieben, zeigten eine soziale Streitlust, die die Fluggesellschaft noch nie erlebte. Und irgendwann zog das Mantra von Ryanair-Boss Micael O’Leary, „Lieber Streiks, als Abkommen schließen, die unsere Gewinnziele in Gefahr bringen“, nicht mehr.

„Sahnehäubchen“

Vor allem an den belgischen Gewerkschaftlern biss sich O’Leary die Zähne aus. Sie bekamen, was sie rund zwei Jahre lang forderten: Einerseits muss Ryanair in Belgien belgisches Arbeitsrecht anwenden und nicht das irische, wie bisher. Andererseits darf es am Standort Belgien keine soziale Diskriminierung innerhalb des Personals mehr geben. „Das ist das Sahnehäubchen“, so die Gewerkschaften: „Die Aktionen im vergangenen Sommer waren  entscheidend.“

Ryanair beschäftigt sowohl eigenes Personal in Belgien, als auch Mitarbeiter, die über teilweise dubiose Subunternehmer oder Zeitarbeitsfirmen beschäftigt werden. Doch ab jetzt muss das gesamte Ryanair-Personal am Standort Belgien zu den gleichen Bedingungen beschäftigt und entlohnt werden. Die Gewerkschaften freut es „diebisch“, dass sie diese Form von Sozialdumping beenden konnten.

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Belgisches Arbeitsrecht

Ab dem Stichtag 1. April muss jeder, der in unserem Land für Ryanair arbeitet, belgischem Arbeitsrecht entsprechend behandelt werden. Das gesamte Personal muss in den Lohndienst von Ryanair selbst übernommen werden. Damit unterschreibt der irische Billigflieger auch, dass er sich den belgischen Traditionen der Sozial- und Tarifabkommen und -verhandlungen anschließt. In den kommenden Monaten wird an weiteren Abkommen gearbeitet, die in erster Linie die Gehalts- und Arbeitsbedingungen im Einzelnen betreffen.

Hans Elsen von der christlichen Gewerkschaft ACV sagte dazu: „Ryanair hat sich lange geweigert, mit dem fliegenden Personal Abkommen zu treffen, doch für eine Fluggesellschaft sind Piloten unerlässlich. Das haben sie inzwischen begriffen. Doch das Kabinenpersonal, dass von Ryanair rekrutiert wird, kommt oft aus Ost- oder Südeuropa, wo die Arbeitslosigkeit groß ist. Diese Menschen sind enorm erpressbar und das wurde von Ryanair missbraucht. Sie bekamen von Crewlink (ein Arbeitsvermittler, der sich oft am Rande der Legalität befinden (A.d.R.)) O-Stunden-Verträge. Damit hatten sie keine Garantie auf Arbeit und demnach auch nicht auf Lohn. Mit diesem Abkommen stoppt diese Art von Sozialdumping in unserem Land.“