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Sozialpartner einigen sich auf ein interprofessionelles Tarifabkommen

Nach einem rund 20-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich Arbeitgeber, Gewerkschaften und Vertreter der geschäftsführenden Bundesregierung auf ein Tarifabkommen für die Beschäftigten in der Privatwirtschaft einigen können. Die Gewerkschaften legen dieses Abkommen jetzt ihrer jeweiligen Basis vor. Beide Seiten sprachen von einem guten Ergebnis für die Kaufkraft. 

Der Entwurf zu diesem Tarifabkommen sieht vor, dass die Löhne und Gehälter maximal 1,1 % über dem Index steigen dürfen. Aufgrund dieser Basis konnte das Abkommen erzielt werden, denn die vorher vorgelegten maximalen 0,8 % hatten die Gewerkschaften abgelehnt und den Verhandlungstisch im Januar verlassen. 

Das bedeutet, dass die Löhne und Gehälter inklusive des Index im Zeitraum 2019-2020 um bis zu 4,54 % steigen dürfen. Auch die Mindestlöhne dürfen steigen und zwar um 1,1 %, was in etwa 10 Eurocent pro Stunde entspricht. Gewerkschaften und Arbeitgeber wollen jetzt in einer Arbeitsgruppe besprechen, wie diese Mindestlöhne „substantiell“ erhöht werden kommen.

Die Arbeitnehmer können zudem mit höheren Zuschüssen von Seiten der Arbeitgeber bei Fahrkarten bzw. Abos im öffentlichen Nahverkehr (Zug, Tram, Bus) rechnen. Diese Zulagen steigen von 64 % auf 70 % der entstehenden Unkosten. Positiv für die Arbeitgeber ist, dass sie mehr Überstunden verlangen dürfen. Die Zahl der zulässigen Überstunden steigt von 100 pro Jahr auf jetzt 120 Arbeitsstunden.

Nicht zuletzt steigen auch die sozialen Bezüge (Arbeitslosengeld, Sozialhilfe). Die niedrigsten Zulagen steigen um 2,4 % und die höchsten um 1,1 %. Ältere Beschäftigte dürfen ihre Arbeitszeit ab 55 Jahre auf vier Fünftel reduzieren und ab 57 Jahre auf Halbzeit. 

Von „maximal Erreichbarem“ bis „ein ausgeglichenes Abkommen“

Die Gewerkschaften hätten sich mehr gewünscht, wie aus Kreisen der sozialistischen Gewerkschaft ABVV zu vernehmen war.

Bei der liberalen Gewerkschaft ACLVB hieß es dazu am Dienstagmorgen: „Das war das maximal Erreichbare. Man kann das so oder so sehen. Aber das Ziel war, ein Abkommen zu erzielen und das war das Wichtigste.“

Mario Coppens von der ACLCB sagte gegenüber VRT NWS weiter: „Wir haben viel erreicht. Dass die Löhne um 1,1 % steigen können, ist gut für die Kaufkraft. Doch ein Abkommen erzielt man nur zu zweit und wir haben nicht alles umsetzen können.“

Pieter Timmermans vom belgischen Unternehmerverband VBO sprach danach von einem ausgeglichenen Abkommen: „Wir sorgen für zusätzliche Kaufkraft aber auch dafür, dass die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen verbessert wird. Ich halte dieses Abkommen für einen fairen Deal zwischen Wirtschaft, sozialen Aspekten und ökologischen Wünschen.“

Alle Seiten der Sozialpartner gaben danach an, dass es sich um schwere und zähe Verhandlungen gehalten habe. Marc Leemans von der christlichen Gewerkschaft ACV gab zu verstehen, dass man wenig Bewegungsfreiheit gehabt habe: „Das Abkommen ist unter Schwierigkeiten zustande gekommen. Gewerkschaften und Arbeitgeber gönnten sich gegenseitig wenig, doch es ist uns geglückt. Miranda Ulens von der sozialistischen Gewerkschaft ABVV reagierte eher mit gemischten Gefühlen: „Wir hatten mit mehr gerechnet.“

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