foto Peter Hilz (C)

Belgien: Energiekonzern Engie rechnet mit Kernkraft bis 2045

Der französische Energiekonzern Engie, der die belgischen Kernkraftwerke betreibt, geht davon aus, dass in unserem Land Kernreaktoren auch nach dem geplanten Atomausstieg Elektrizität produzieren. Der Konzern will nach Angaben der belgischen Wirtschaftsblätter De Tijd und L’Echo die Meiler Doel 4 und Tihange 3 auf eine Laufzeit bis 2045 vorbereiten.

Im Jahresbericht 2018 heißt es bei Kraftwerksbetreiber Engie, dass die Zeit für die beiden Meiler Doel 3 und Tihange 2 abgelaufen ist. Das sind die beiden Meiler, in denen vor geraumer Zeit schon tausende Haarrisse in der stählernen Ummantelung festgestellt wurden. Diese beiden Anlagen werden wie geplant 2022 bzw. 2023 vom Netz genommen und definitiv abgeschaltet.

Was ist schon definitiv?

So definitiv, wie dieser Vorgang beschrieben wird, so unsicher scheint die Abschaltung der beiden jüngsten belgischen Kernreaktoren Doel 4 und Tihange 3 zu sein, die beim für 2025 geplanten Atomausstieg abgeschaltet werden sollen. Offenbar ist man sich in der Chefetage bei Engie in Paris sicher, dass die beiden Meiler länger am Netz bleiben. De Tijd zitiert Engie-CEO Isabelle Kocher mit den Worten: „Die Laufzeitverlängerung wird zweifellos bei der nächsten Regierungsbildung zur Sprache kommen.“

„Damit das Licht nicht aus geht“

Der französische Energiekonzern, der vor Jahren die belgische Electrabel-Gruppe schluckte, ist der Ansicht, dass Belgien auch nach 2025 noch Kernkraft braucht, „damit das Licht nicht ausgeht.“ CEO Kocher und ihr Konzern glauben, dass unser Land nicht dazu fähig sein wird, in alternative Produktionskapazitäten zu investieren, denn dazu fehle es an einem „industriellen Plan“, auch wenn die geschäftsführende belgische Bundesregierung den Bau von Gaskraftwerken bezuschussen will, wie ein Plan von Energieministerin Marie Christine Marghem (MR) vorsieht.  

Die Atomaufsicht prüft eine Laufzeitverlängerung…

Um Laufzeitverlängerungen bis 2045 zu ermöglichen, ist allerdings eine Gesetzesänderung vonnöten, denn der Atomausstieg in Belgien bis 2025 ist gesetzlich verankert worden. Inzwischen bezweifelt auch die belgische Atomaufsicht FANC, dass bis 2025 ausreichend Energieproduktion erreicht werden kann, um auf die Kernkraft zu verzichten. Selbst die FANC prüft derzeit Möglichkeiten, die eine oder andere Anlage länger zu betreiben, um die Energiesicherheit in Belgien gewährleisten zu können. Allerdings geht diese Prüfung nach FANC-Angaben von der Behörde selbst aus und soll als rein präventiv angesehen werden. Man müsse als Atomaufsichtsbehörde auf alles vorbereitet sein, hieß es dort vor einigen Wochen dazu.