BELGA

Erinnerung an Holocaust-Opfer: Neue "Stolpersteine" in Antwerpen

In der kommenden Woche werden in Antwerpen rund 30 sogenannte „Stolpersteine“ in die Bürgersteige eingelassen, die an die Opfer des Holocaust und der Nazigräuel erinnern sollen. Derzeit sind in ganz Belgien etwa dieser Gedenksteine zu finden, davon alleine 180 in Brüssel. Antwerpen wiedersetzte sich bis vor kurzem dieser Initiative, doch einige „Stolpersteine“ wurde quasi illegal angebracht, bzw. unter Wegschauen der kommunalen Behörden. 

Lange Zeit waren die „Stolpersteine“ in Antwerpen nicht wirklich willkommen, denn Stadtrat und Stadtverwaltung erteilten der Anbringung dieser Holocaus- und Naziopfer-Gedenksteine unter dem Druck der eher konservativen jüdischen Gemeinschaft keine Genehmigungen. Die Antwerpener Juden, zumindest deren führende Kräfte, fanden, dass Gedenksteine im Bürgersteig nur wenig respektvoll seien und dass diese Art des Gedenkens zu individuell sei.

Die „Stolpersteine“, eine Erfindung des deutschen Künstlers Gunter Demning, sind vor Häusern, Gebäuden oder Wohnungen zu finden, in denen Naziopfer vor ihrer Deportation in die NS-Vernichtungslager gelebt hatten. Doch die jüdische Organisation „Association pour la Mémoire de la Shoah“ aus Brüssel, eine eher progressivere Vereinigung, trieb das Projekt „Stolpersteine“ in Belgien weiter voran und brachte auch in Antwerpen solche Steine an, z.B. vor der Wohnung eines im KZ ermordeten jüdischen Kindes und vor dem Haus eines Antwerpener Polizisten, der in den Widerstand gegangen war.

Mitte des vergangenen Jahres aber bedachte sich die Stadt Antwerpen und genehmigte die ersten „Stolpersteine“ offiziell, die dann im Oktober angebracht wurden. Einer dieser Steine erinnerte an die Jüdin Rosa Marinower, die 1942 während den Antwerpener Judenrazzien gemeinsam mit ihren beiden Kindern aufgegriffen wurde und in Auschwitz ums Leben kam. Diese Frau war die Tante des Antwerpener Lokalpolitikers und Stadtrat Claude Marinower (Open VLD).

Die 30 „Stolpersteine“ die in der kommenden Woche in Antwerpen in die Bürgersteige eingelassen werden, sind ein Zeichen dafür, dass sich die Stadt Antwerpen den Opfern des Naziregimes widmet. Aus dem neuen Stadtrat mit seiner Mehrheit aus N-VA, Open VLD und SP.A ist es heute wichtiger denn je, sich zu einem „offenen Geschichtsbuch“ zu machen, in dem die gesamte Geschichte sichtbar wird…