Judenhass: Deutlicher Anstieg antisemitischer Straftaten in Belgien

Unia, das Zentrum für Chancengleichheit in Belgien, registrierte im vergangenen Jahr genau 101 Meldungen zu antisemitischen Straftaten. Das ist eine Verdoppelung der entsprechenden Meldungen im Jahr 2017. Judenhass habe viele Formen in unserem Land, so ein Unia-Sprecher gegenüber VRT NWS.

2017 erreichten Unia 56 Meldungen von Judenhass und Antisemitismus als Strafbestand und im vergangenen Jahr waren dies 101 Meldungen, schreibt die flämische Tageszeitung De Morgen in ihrer Samstagsausgabe. Bram Sebrechts von Unia sagte dazu gegenüber VRT NWS: „Im allgemeinen merken wir, dass Hass immer mehr lauert, sowohl im Internet, als auch auf offener Straße. Viele Gruppen in unserer Gesellschaft werden Opfer von Ausgrenzung und Stigmatisierung, also auch die Juden.“ 

„Man sprüht Hakenkreuze auf Garagentore oder schmeißt Scheiben von jüdischen Schulen ein. Doch es zeigt sich beispielsweise auch mehr Negationismus.“

Bram Sebrechts, Unia

„Judenhass kennt viele Formen.“, so Bram Sebrechts von Unia auf die Frage, welcher Art Meldungen seine Behörde erreichen: „Es gab zum Beispiel direkte Konfrontationen in den jüdischen Vierteln. Man sprüht Hakenkreuze auf Garagentore oder schmeißt Scheiben von jüdischen Schulen ein. Doch es zeigt sich beispielsweise auch mehr Negationismus.“

Die Zahl der Meldungen von judenfeindlichen Inhalten im Internet hat sich alleine in Belgien innerhalb eines Jahres vervierfacht, so Sebrechts: „‘Juden schmieden eine Verschwörung gegen die Welt‘ oder ‚Hitler hat seine Arbeit nicht beendet‘, sind Sprüche, die regelmäßig auftauchen.“ Zudeml habe die heftig umstrittene rechtsradikale flämische Studentenbewegung „Schild & Vrienden“ einiges an Antisemitismus geäußert: „Dagegen haben wir mit Ermittlungen aufgenommen.“

„Eigentlich sehen wir, das Antisemitismus ein hartnäckiges Problem ist.“

Bram Sebrechts, Unia

Judenhass und Antisemitismus sind ein alltägliches Problem in Belgien, doch je nach Nachrichtenlage steigert sich dies. Beispiele sind der Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel im Mai 2014 oder die Anschläge auf Zaventem und Brüssel im März 2016. Dazwischen, in den Jahren 2015 oder 2017, gab es wesentlich weniger Meldungen, es sei denn, in Nahost, z.B. rund um Israel und Palästina, kommt es zu Konflikten, so Bram Sebrechts: „Eigentlich sehen wir, das Antisemitismus ein hartnäckiges Problem ist.“

Unia bittet Polizei und Justiz darum, antisemitische Straftaten als besondere Delikte zu betrachten, mit entsprechenden Einträgen in Strafmandaten usw. Bisher, so Bram Sebrechts, wird Judenhass so behandelt, wie alle anderen rassistischen Straftaten. Interessant ist aber, dass die belgische Bundespolizei ihre Sonderkommission „Judenhass“ wieder ins Leben gerufen hat. Doch ist dies kein rein belgisches Problem, so Unia. Europaweiten Erhebungen und Untersuchungen zufolge, steigt die Zahl der antisemitischen Straftaten überall - siehe z.B. die Grabschändungen in Frankreich. 

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