Rekord: 2018 fanden in Brüssel knapp 1.000 Demonstrationen statt

Nach einer Meldung der frankophonen Brüsseler Tageszeitung Le Soir haben letztes Jahr in der belgischen und europäischen Hauptstadt genau 995 Demonstrationen stattgefunden. Das sind durchschnittlich 3 Demos oder andere Protestveranstaltungen pro Tag. Die meisten dieser Demonstrationen haben übrigens nichts mit Politik oder Gesellschaft in Belgien zu tun…

Die Zahl der Demonstrationen in der Hauptstadt Belgiens und der Europäischen Union hat sich seit dem Jahr 2010 fast verdoppelt, so Olivier Slosse von der Polizeizone Brüssel-Elsene/Ixelles: „Das bringt einiges an Arbeit mit sich. Was sie Leute am Tag selbst sehen ist nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen. Die meiste Arbeit fließt in die Vorbereitungen.“

Fast täglich Planungstreffen

Die Abteilung „Allgemeine Information“ dieser Polizeizone, in der die allermeisten Protestveranstaltungen stattfinden, verhandelt beinah täglich mit den Veranstaltern von Demonstrationen, um dafür zu sorgen, dass jeder seine Botschaft kundtun kann, ohne, dass dabei die ganze Stadt lahmgelegt wird. Die Mitarbeiter dieser Abteilung sind inzwischen regelrechte Fachleute in Sachen Geografie oder Geopolitik, denn die allermeisten Demos haben mit Belgien gar nichts zu tun.

Viele Beteiligte

An der Organisation einer Demonstration sind von Seiten der Polizei viele Bereiche beteiligt. Es geht dabei um Vorbereitungen, z.B um Risikoanalysen. Müssen Wasserwerfer eingesetzt werden? Müssen die Polizeibeamten Schutzkleidung tragen? Dann muss die Verkehrspolizei wissen, was wie und wo geplant ist. Und auch die einzelnen Stadtviertel und ihre Stewards werden mit einbezogen. Handelt es sich um eine Großveranstaltung, werden nicht selten auch die Bundespolizei und Einheiten aus anderen Polizeizonen in Brüssel hinzugezogen.

„Gelbwesten“

„Schwieriger wird es, wenn es sich um Demonstrationen handelt, bei denen es problematisch wird, wer die Veranstaltung eigentlich organisiert. Das war zum Beispiel bei den ‚Gelbwesten‘ der Fall.“, so Olivier Slosse. Auch in der Frage der Beteiligung an einer Demonstration gehen die Meinungen oft auseinander: „Es ist nicht so, dass wenn 1.000 Leute auf Facebook ankündigen, dass sie kommen, dass sie auch wirklich dabei sind.“ In den meisten Fällen gelingen aber die Gespräche mit den Veranstaltern von Protesten und Demos in Brüssel. Nur wenige derartige Veranstaltungen arten aus und nur selten müssen Demonstrationen im Vorfeld verboten werden. 

Belga