Belgisches Pharmaunternehmen UCB muss Mann mit Behinderung fast 3 Mio. Euro zahlen

Genau 2,96 Millionen Euro: Das ist der Betrag, den das belgische Pharmaunternehmen UCB einem jungen Mann in Frankreich auszahlen muss, dessen Behinderung indirekt durch ein UCB-Medikament verursacht wurde. Das Medikament von UCB hatte seine Großmutter während ihrer Schwangerschaft eingenommen. Die französische Nachrichtenagentur AFP konnte das Urteil des Gerichts in Nanterre bei Paris einsehen.

Im Mittelpunkt des Falles steht das Medikament Diethylstilbestrol (auch bekannt als DES), das schwangeren Frauen in Frankreich von 1950 bis 1977 verschrieben wurde, um Fehlgeburten vorzubeugen. Bei dem Medikament, das seit 1983 nicht mehr auf dem Markt ist, schien sich jedoch Jahre später herauszustellen, dass es schwerwiegende Folgen für die Töchter der behandelten Frauen hat.

Gegen UCB wurden bereits mehrere Gerichtsverfahren angestrebt. In diesem Fall stellte das Gericht einen Link zwischen dem Handicap des inzwischen etwa dreißig Jahre alten Frühgeborenen und den Gebärmutterproblemen seiner Mutter her, die wiederum mit der Medizin seiner Großmutter in Zusammenhang stehen. UCB muss den Mann für den erlittenen Schaden entschädigen.

"Dieses Urteil erkennt den Leidensweg und das Leiden dieser Familie an", reagierte Jean-Michel Joubert, Sprecher von UCB in Frankreich. UCB werde Verantwortung übernehmen, wie das Unternehmen dies in ähnlichen Fällen auch schon gemacht hätte. Zu einer möglichen Berufung äußerte sich der Sprecher nicht.

Das Berufungsgericht von Versailles fällte 2011 ein wichtiges Urteil, in dem anerkannt wurde, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Diethylstilbestrol und einer Behinderung gibt, die zwei Generationen später auftritt.

Laut Jahresbericht auf der UCB-Website hatte das Pharmaunternehmen bereits Ende 2018 rund 99 Millionen Euro an Rückstellungen im Zusammenhang mit den Diethylstilbestrol-Fällen gebildet.