Europäische Kommission kritisiert Karnevalswagen mit jüdischen Karikaturen

Die Klage jüdischer Organisationen gegen den Wagen "Sabbatjaor 2019" am Sonntag im Aalster Karnevalsumzug bekommt Unterstützung von der Europäischen Kommission.

Mit einem Karnevalswagen zum Thema "Sabbatjahr" wollte die Karnevalsgruppe Aalst darauf hinweisen, dass sie derzeit etwas knapp bei Kasse ist. Doch die Art und Weise, wie Juden dargestellt werden, wird von zwei großen jüdischen Verbänden kritisiert.

Das Forum der Jüdischen Organisationen (FJO) und der Koordinationsausschuss der Jüdischen Organisationen Belgiens (CCOJB) sahen deutliche Ähnlichkeiten mit dem Antisemitismus der Vorkriegsjahre. Beide Organisationen reichten eine Beschwerde bei Unia ein, eine unabhängige interföderale Einrichtung, die Diskriminierung bekämpft und gleiche Chancen fördert.

Europäische Kommission will, dass Belgien reagiert

Die Europäische Kommission schließt sich der Kritik der Organisationen an. Beim Mittagsbriefing in der Kommission sagte der Chefsprecher Margaritis Schinas: "Es sollte selbstverständlich sein, dass solche Auftritte bei einer Parade auf den Straßen Europas 74 Jahre nach der Shoah völlig undenkbar sind." "Es ist an den nationalen Behörden, die erforderlichen Maßnahmen auf der Grundlage der verfügbaren Rechtsvorschriften zu ergreifen."

Der Wagen ist im Karnevalsumzug von Aalst auch noch zu einem Zeitpunkt erschienen, zu dem es Berichte über eine zunehmende Anzahl antisemitischer Vorfälle in Frankreich und Belgien gegeben hat. "Wir Europäer können uns den Luxus nicht leisten, hier unbeschwert zu sein", sagte Schinas. Die Kommission werde das jedenfalls nicht auf die leichte Schulter nehmen. "Weil wir das traurige Privileg genießen, erlebt zu haben, wie dieser Film endet. Das haben wir im letzten Jahrhundert gesehen, und wir wollen keine Wiederholung."

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