Grüne wollen Kurzstreckenflüge zwischen Brüssel und Amsterdam abschaffen

Die flämischen Grünen (Groen) fordern die Abschaffung von Kurzstreckenflügen zwischen Amsterdam und Brüssel. Sie reagieren damit auf eine Debatte im Nachbarland Niederlande, wo man ebenfalls der Ansicht ist, auf solchen kurzen Entfernungen auf die Bahn zu setzen.

Stefaan Van Hecke von Groen bestätigte eine entsprechende Zeitungsmeldung von De Standaard gegenüber VRT NWS: „Es ist doch absurd, dass Flugzeuge mit hohem CO2-Ausstoß zwischen zwei Städten hin- und herfliegen, die so nah bei einander liegen.“

Gleich mehrmals am Tag steigt am Brussels Airport in Zaventem und in Amsterdam Schiphol eine Maschine in den Himmel, die in weniger als einer Flugstunde im jeweils anderen Flughafen landet. In der Zweiten Kammer im niederländischen Parlament wurde darüber heftig debattiert. Die Oppositionspartei GroenLinks schlug jetzt vor, diese Flüge aus Umwelt- und Klimaschutzgründen zu streichen und bekam dafür die Unterstützung der Regierungsparteien D66 und ChristenUni.

Das ließ die flämischen Grünen von Groen, auf belgischer Bundes- und flämischer Landesebene in der Opposition, aufhorchen und ebenfalls eine solche Streichung fordern, wie Stefan Van Hecke, Abgeordneter in der Ersten Kammer im belgischen Bundesparlament, gegenüber VRT NWS dazu sagte: „Wir sollten dies beenden und auf Alternativen setzen, doch diese sollten billiger werden. Es ist unsinnig, ein Flugzeug zu besteigen, um nach 200 km wieder auszusteigen, während gleichzeitig auch Züge oder Busse fahren.“

„Es ist unsinnig, ein Flugzeug zu besteigen, um nach 200 km wieder auszusteigen, während gleichzeitig auch Züge oder Busse fahren.“

Stefaan Van Hecke, Groen

Das Beispiel Amsterdam-Brüssel-Flüge soll aber nicht die einzige Fluglinie sein, die eigentlich gestrichen werden sollte. Die flämischen Grünen schlagen vor, alle Kurzstreckenflüge in Europa unter die Lupe zu nehmen und nach Alternativen zu suchen: „Innerhalb von Europa sollte der Zug eigentlich die günstigste Option für Abstände, die kürzer als 1.000 km sind.“ Van Hecke ist sich dessen bewusst, dass dazu in die Infrastruktur investiert werden muss, doch er plädiert in diesem Zusammenhang dafür, wieder Nachtzüge einzusetzen und die Bahntickets auch international billiger zu gestalten.

Inzwischen stimmen die flämischen Christdemokraten CD&V, in Flandern und auf Bundesebene in der Mehrheit, dem Ansinnen der Grünen zu, denn auch sie haben die Debatte in den Niederlanden aufmerksam verfolgt.

Paradebeispiel

Die Strecke Amsterdam-Brüssel ist ein Paradebeispiel dafür, wie man damit umgehen sollte oder auch nicht. Derzeit fahren IC-Züge und Thalys-Hochgeschwindigkeitszüge zwischen beiden Metropolen hin- und her. Sie verbinden die Stadtzentren beider Städte. Mit dem Flugzeug muss man erst raus aus den Zentren zum Flughafen und dann die üblichen Prozeduren durchlaufen - Einchecken, Flugscheinkontrolle usw. Am Ziel angekommen das gleiche im umgekehrten Sinne. Dabei sind Parkkosten oder der Bahntransfer noch nicht mit einberechnet. Rechnet man Zeit, Aufwand, Flugtickets und Nebenkosten auf, dann ist der Zug, zumindest auf Basis von Frühbuchertickets vielleicht schon jetzt günstiger… 

Foto: Andreas Kockartz
Foto: Andreas Kockartz