Belgien: Aggressivität am Arbeitsplatz ist ein weitverbreitetes Phänomen

Etwa jeder neunte Arbeitnehmer in Belgien muss sich an seinem Arbeitsplatz mit Aggressivität auseinandersetzen. Zu dieser Erkenntnis kommt der das Amt für Arbeitsschutz und Gefahrenverhütung (IDEWE) in einer in den vergangenen drei Jahren erstellten Studie zu diesem Thema. Man müsse davon ausgehen, dass rund 20.000 Arbeitnehmer in unserem Land mindestens wöchentlich Aggressionen oder gar Gewalt im Job ausgesetzt sind. 

IDEWE befragte zwischen 2016 und 2018 tausende belgische Arbeitnehmer zum Thema Aggression am Arbeitsplatz. 11,4 % der Befragten gaben an, in den letzten 6 Monaten vor dem Gespräch Aggressivität erlebt zu haben. Das geht von Beleidigungen über Bedrohungen bis hin zu körperlicher Gewalt.

Den größten Anteil machen mit zehn Prozent Beschimpfungen und Beleidigungen aus, vier Prozent sind gewalttätige Übergriffe. 1,3 % der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Woche derartigen Vorkommnissen ausgesetzt zu sein.

Lode Godderis, Leiter der Abteilung Forschung am IDEWE, sagte dazu: „Hochgerechnet auf die belgische Bevölkerung handelt es sich hier um rund 20.000 Arbeitnehmer - eine große Gruppe also.“ Die Zahlen schwanken zwischen den beruflichen Sektoren, so Godederis: „Einerseits betrifft dies typische Männerberufe, wie die Bauwirtschaft und die Industrie, andererseits aber auch den Pflegebereich und die Behörden.“ 

„Hochgerechnet auf die belgische Bevölkerung handelt es sich hier um rund 20.000 Arbeitnehmer - eine große Gruppe also.“

IDEWE-Forschungsleiter Lode Godderis

Laut IDEWE geht es am Bau und in der Industrie in erster Linie um Konflikte zwischen den Kollegen, doch in Ämtern oder im Pflege- und Gesundheitsbereich betrifft dies auch Arbeitnehmer in sogenannten „Kontaktberufen“, also Beschäftigte mit direktem Kontakt zu Patienten oder deren Angehörigen oder auch an Schaltern und in Büros. Die Aggressivität, die ihnen dort begegnet ist also „extern“.

IDEWE-Forschungsleiter Lode Godderis sagte gegenüber VRT NWS, dass sich Unternehmen und Behörden mit diesem Thema auseinandersetzen müssen - am besten mit einer entsprechenden Vorgehensweise, „damit Arbeitnehmer wissen, was Aggressionen eigentlich sind, an wen sie sich mit einem entsprechenden Problem wenden können und wo die Grenzen dabei liegen.“

Direkt nach einem solchen Vorfall sollten sich die Vorgesetzten mit den Betroffenen zusammensetzen und auch ein Folgegespräch, nach dem eventuelle Emotionen abebben konnten, sei wichtig, „damit geprüft werden kann, ob keine bleibenden Auswirkungen für das Wohlbefinden des Arbeitnehmers vorliegen.“ 

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