Karneval in Aalst: Weiter Trubel um den Motivwagen mit Juden als Figuren

Die flämische Karnevalshochburg Aalst in Ostflandern kommt auch nach dem Aschermittwoch nicht zur Ruhe, denn noch immer folgen kritische Kommentare zu einem Motivwagen, der jüdische Klischeefiguren als Blickfang nutzte. Inzwischen folgte auch Kritik von der Unesco und der Bürgermeister der Stadt wird über die sozialen Netzwerbe beschimpft und bedroht. Der jüdische N-VA-Politiker Michael Freilich bietet sich in Aalst unterdessen als Vermittler an.

Die internationale Kulturerbe-Organisation Unesco hat einen den Aalster Karnevalswagen als „rassistisch und antisemitisch“ verurteilt. Der Motivwagen habe „unanständige Karikaturen“ von Juden gezeigt, kritisierte die Unesco am Mittwoch in Paris, wie die französische Nachrichtenagentur AFP dazu meldete. Auf dem auch in Belgien umstrittenen Wagen waren zwei bärtige Figuren mit Hakennasen, Schläfenlocken und Hüten orthodoxer Juden vor Geldsäcken und einem Geldschrank zu erkennen.

Die Unesco ist nicht die erste internationale Einrichtung, die den Karnevalswagen der Aalster Karnevalsgesellschaft „De Vismooil’n“ kritisch betrachtet, doch diese Einrichtung hat ein gewichtiges Wort mitzureden, hat sie doch den Karneval von Aalst in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

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James Arthur Photography

Bedroht und beschimpft

Inzwischen wird der Bürgermeister von Aalst, Christoph D’Haese (N-VA - Foto oben), über die sozialen Medien aufs schärfste angegriffen und sogar bedroht. Bedrohungen kommen auch aus dem Ausland, wie z.B. die folgende: „Shoot the mayor in the head, please“ („Schießt dem Bürgermeister bitte in den Kopf“). Noch will D’Haese nicht Anzeige erstatten, doch er will sich mit allen Beteiligten, sprich mit dem staatlichen Zentrum für Chancengleichheit und gegen Rassismus, Unia, und mit der Karnevalsgesellschaft „De Vismooil’n“, an einen Tisch setzen. Die Karnevalisten, die den Wagen gebaut haben, äußerten sich noch nicht zu den Vorgängen, sollen aber auch bereits bedroht worden sein.

Überraschender Vermittler

Jetzt bietet sich D’Haeses N-VA-Parteikollege Michael Freilich aus Antwerpen als Vermittler an. Freilich bittet Aalst um Verständnis dafür, dass sich die jüdische Gemeinschaft durch diese Klischeebilder verletzt und angegriffen fühlt. Dabei hat er eigentlich nichts gegen den deftigen und auch oft recht geschmacklosen Karneval von Aalst: „Spott, Beleidigungen, Angriffe, alles ist erlaubt. Aber muss das auch sein?“

Der ehemalige Chefredakteur der konservativen Zeitschrift „Joods Actueel“ (das bedeutet in etwa so viel wie „Jüdische Aktuelle“) glaubt sogar, dass die Karnevalisten nichts antisemitisches im Sinne hatten, doch „hier braucht es historische Bewusstseinsbildung und Vermittlung“. Freilich bietet an, hier eine Rolle übernehmen zu können. 

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