Terrordossier: Frankreich überstellt Belgien einen radikalisierten Kriminellen

Im Zuge der Ermittlungen gegen eine mutmaßliche Terrorzelle, die verdächtigt wird, in Belgien einen Anschlag geplant zu haben, ist bereits am vergangenen Freitag ein Franzose an die belgische Justiz überstellt worden, wie die Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel jetzt bestätigte. Der zuständige Ermittlungsrichter hatte Haftbefehl gegen den Mann wegen Beteiligung an den Aktivitäten einer terroristischen Vereinigung erlassen.

Im Juli 2017 hatten belgische und französische Ermittler gemeinsam im Brüsseler Stadtteil Anderlecht einige Hausdurchsuchungen durchgeführt (Foto oben). Dabei stellten sie in einer Garagenbox mehrere Kalaschnikows, einige Handfeuerwaffen plus zugehörige Munition, Polizeiuniformen und schusssichere Westen sicher.

Bei der Aktion wurden auch die Gebrüder Saouti festgenommen. Einer der beiden, Saïd Saouti, war damals schon für die Justiz kein Unbekannter. Er gehörte zu der berühmt-berüchtigten Brüsseler Motorradbande „Kamikaze Riders“, die sowohl islamistisch radikalisiert, als auch hochgradig kriminell und gewalttätig war. Die Bande stand u.a. im Verdacht, vor einigen Jahren einen Anschlag auf eine öffentliche Silvesterfeier am Rogierplatz unweit des Nordbahnhofs von Brüssel geplant zu haben.

Links zu einem weiteren Verdächtigen und einem anderen Fall

Gleichzeitig mit den Hausdurchsuchungen in Anderlecht verhaftete die französische Polizei in Lille in Nordfrankreich einen Mann, der Verbindungen zu den Saouti-Gebrüdern haben soll, nämlich Salah Ghemit. Dieser Mann wurde als Schwerverbrecher bereits mehrmals mit der französischen Justiz konfrontiert und saß mehrmals im Gefängnis. Im Laufe der Zeit soll sich Ghemit radikalen Islamisten angeschlossen haben. Der Franzose gehört zu den Verdächtigen im Saouti-Dossier und muss Anfang April vor der Ratskammer in Brüssel erscheinen.

Der Waffenfund von Anderlecht und das Dossier Saouti haben zudem einen Link zu einem gewalttätigen Überfall auf einen Brüsseler Juwelier und Antiquitätenhändler im Mai 2017 im Stadtteil Elsene, wobei das Opfer später seinen schweren Verletzungen erlag. DNA-Spuren auf den entdeckten Waffen legten eine Spur zu den Saoutis. Hier sind die Ermittlungen der Brüsseler Staatsanwaltschaft allerdings noch nicht abgeschlossen.