Zollchef Kristian Vanderwaeren

Belgischer Zollchef rät KMU zu Exportpause nach dem Brexit

Drei Wochen vor dem geplanten Termin des Brexit rät Zollchef Kristian Vanderwaeren allen Unternehmen, den Transport von und ins Vereinigte Königreich vorübergehend zu reduzieren. Die Großindustrie, wie Pharmaunternehmen und Automobilhersteller, hätten sich bereits auf den Transport nach dem 29. März, dem geplanten Brexitdatum, eingestellt. Die KMU und alle anderen Parteien sollten auf Wartestellung gehen. Die Aufforderung an die KMU bestätigte der Zollchef gegenüber der VRT. Beim Unternehmerverband ist man überrascht von dem Vorstoß des Zollchefs.

Belgiens Zollchef Vanderwaeren befürchtet Verzögerungen beim Ex- und Import nach dem 29. März. Große Konzerne hätten sich in den vergangenen Monaten bereits vorbereitet und mit Vorräten in Großbritannien eingedeckt, wird Vanderwaeren in der Zeitung De Tijd zitiert. Doch viele KMU seien nicht ausreichend vorbereitet. 

"Wenn KMU mit dem Vereinigten Königreich Handel treiben, fordere ich sie auf, ihre Waren vor dem Brexit zu versenden", wiederholte Zollchef Vanderwaeren in der VRT. "Nach dem Brexit empfehle ich ihnen, erst einmal mehrere Wochen lang abzuwarten, wie sich das Ganze entwickelt und nicht zu viele Warenbewegungen anzustoßen.“

Der Grund ist einfach, sagte er: "Nach dem Brexit müssen Sie Waren beim Zoll anmelden und das ist ein administrativer Prozess. Wenn diese Dokumente, Zertifikate und Zahlungen nicht in Ordnung sind, bleibt die Ware, wo sie ist.“

Der Zollchef sieht vor allem Probleme im Hafen von Zeebrugge. „Dort teilt uns die Industrie mit, dass 10 Prozent der LKW ohne die notwendigen Papiere ankommen werden. Wenn das der Fall ist, haben wir ein großes Problem. Das sind 10 Prozent sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite. Gemeinsam mit den anderen Ordnungsdiensten und dem Privatsektor haben wir allerdings Pläne ausgearbeitet, um sie aus dem Terminal fernzuhalten, damit der reguläre Handel nicht blockiert wird."

Am Zoll läge es jedenfalls nicht, wenn es Probleme gebe, so Vanderwaeren weiter. „Kein LKW oder Container wird blockiert, weil es an Zollbeamten fehlt. Wir haben genug zusätzliches Personal - 141 Personen bis zum 29. März -, um uns um den Brexit zu kümmern. Wir sind bereit und werden das auch der Europäischen Kommission mitteilen.“

„Die großen Unternehmen in unserem Land bereiten sich gut vor. Doch viele KMU haben noch immer auf eine Verschiebung des Brexit gehofft. Deshalb mussten wir sie - la Belgique à papa - an die Hand nehmen, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Unsere niederländischen Kollegen machen das nicht. Wer sich dort nicht vorbereitet hat, hat Pech.“

Die Zollbehörden haben in den letzten Monaten proaktiv an 20.000 Unternehmen, die mit dem Vereinigten Königreich Handel treiben, geschrieben. 7.000 Unternehmen wurden ermutigt, eine Zollnummer zu beantragen. Doch heute, drei Wochen vor dem Brexit, erhielt der Zoll nur 4.700 positive Antworten. Der Zoll hat sogar einen Call-Center eingerichtet, das Unternehmen anruft, damit diese ihre Registrierung in Ordnung bringen.

Gleichzeitig warnt der Zollchef davor, dass der Brexit zu Betrug führen könnte, insbesondere bei den Verbrauchsteuern. Es gibt "Schlupflöcher" - Lücken -, auf die wir noch keine Antwort haben.“

Voka-Chef Hans Maertens

Alles in Ordnung beim Zoll?

Der Unternehmerverband VOKA reagiert unterdessen erstaunt auf den Appell des Zollchefs. "In den letzten Wochen und Monaten hatten wir immer wieder Kontakte zum Zoll und zum Minister", so Voka-Chef Hans Maertens. „Es wurde uns gesagt, dass alles in Ordnung kommen würde, dass der Zoll gut vorbereitet sei", sagt Voka-Topman Hans Maertens. Es seien zusätzliche Leute eingestellt worden, das Verfahren sei computergestützt und alles schien in Ordnung zu sein. Und heute ertönt plötzlich ein Hilferuf vom Zoll.“

Auch Voka hat sich gemeinsam mit den Zollbehörden darum bemüht, die Unternehmen vorzubereiten und sie zu ermutigen, Vorräte anzulegen, betonte Maertens in der VRT. "Jetzt, drei Wochen vor dem Brexit, wird uns gesagt, dass es in Zeebrugge zu Staus kommen werde. Wir machen uns große Sorgen.“

Laut Maertens sind die großen Unternehmen sicherlich gut vorbereitet, aber es könnte durchaus sein, dass es bei einer Reihe von KMU noch  ein paar Probleme mehr gibt. Dass 4.700 von den 20.000 kontaktierten Unternehmen eine Zollnummer beantragt hätten, findet Maertens gar nicht so schlecht. "Ich denke, dass wir damit 90% der Unternehmen fassen, die regelmäßig mit dem Vereinigten Königreich handeln. Die anderen werden sich später automatisch anpassen. Das ist gesunder Menschenverstand. Heute muss der Schwerpunkt auf denen liegen, die sehr regelmäßig exportieren: Es darf nicht zu einer einwöchigen Brexitpause aufgrund von Verzögerungen in den Häfen oder Zollformalitäten kommen. Der Export muss unbedingt garantiert werden, sonst bekommen wir keine Brexitpause, sondern einen Brexitstopp.“