Ausgrabungen bei Bauarbeiten: Mittelalterlicher Hafen in Brüssel entdeckt

Im Zuge von archäologischen Untersuchungen auf dem Gelände des vor kurzem abgerissenen Parkhauses „Parking 58“ im Brüsseler Stadtzentrum sind die Reste eines Hafens aus dem Mittelalter entdeckt worden (Foto). Zum einen wurde eine Kaimauer freigelegt und zum anderen fanden die Archäologen höchstinteressante Gegenstände aus dem 15. Jahrhundert, die sich in auffallend gutem Zustand befinden.

Der mittelalterliche Hafen von Brüssel wurde bis etwa 1561 genutzt. In den Jahren danach wurde der Kanal von Willebroek gebaut und der Brüsseler Innenstadthafen verlor nach und nach seine Bedeutung. Im Laufe der Jahrhunderte wurde schließlich der Brüsseler Fluß, die Zenne durch Bauten und Straßen überdeckt und im Zuge dessen verschwand auch der Hafen unter der Erde. Inzwischen wird Brüssel wieder einmal umgegraben, denn viele Bausünden aus dem vergangenen Jahrhundert müssen neuen Projekten weichen und zudem nagte der Zahn der Zeit an ihnen. Das betraf auch das berühmte Parkhaus „Parking 58“ im Stadtzentrum, dass alleine schon wegen seiner engen Wendelauf- und -ausfahrt einen gewissen architektonischen Reiz aufwies.

Unter diesem Parkhaus allerdings fanden Archäologen, die, wie bei jedem großen Bauvorhaben in Belgien Pflicht ist, im Untergrund nach historischen Funden suchen, besonders gut erhaltene Reste dieses Hafens. Der Archäologe Stephan van Bellegem gab gegenüber VRT NWS an, dass man dies so nicht erwartet habe: „In den vergangenen Tagen haben wir Kais freigelegt, die von hölzernen Balken und Steinen gestützt wurden. Das Besondere ist, dass wir Konstruktionen begegnet sind, die wir noch nie gesehen haben.“

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Neben den historischen Hafenanlagen fanden die Archäologen in den vergangenen Tagen Gegenstände aus dem 14. und dem 15. Jahrhundert, die allesamt recht gut erhalten geblieben sind, wie z.B. Schuhe, Keramik, Besteck, eine Kanonenkugel und auch einen Ring. Zum ersten Mal wurden auch gut erhaltene Gegenstände aus Holz gefunden, was die Archäologen besonders erstaunte, wie Stephan van Bellegem bemerkte, denn Holz löst sich eigentlich in permanenter Feuchtigkeit in seine Bestandteile auf: „Das auffallendste Objekt, das wir gefunden haben, ist eine Fischreuse (Foto oben). Das ist eine Falle, mit der Fische gefangen werden. Das ist das erste Mal, dass wir so etwas in Belgien gefunden haben.“

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In den kommenden Tagen wird versucht, Teile der Hafenanlagen und die ausgegrabenen Gegenstände zu sichern und zu bergen. Danach sollen sie in verschiedene Lagerhallen gebracht werden, um sie dort weiter untersuchen zu können. Für den Abtransport der Fischreuse wird eine besondere Transportkiste angefertigt, die dafür sorgen soll, dass das historische Gerät nicht austrocknet. Sonst würde sie bröckeln und zusammenfallen. Bei einigen Fundstücken war den Archäologen aufgrund des guten Erhaltungszustandes sofort klar, woher die Gegenstände kamen: „Wir haben einen Trinkbecher gefunden, der noch so gut intakt ist, dass wir sofort sehen konnten, dass er aus Deutschland stammt (Foto oben).“

In den kommenden Wochen können die Archäologen noch weiterforschen. Sie wollen bis zu einer Tiefe von 11 Metern graben, wenn auch nicht mehr erwartet wird, das noch etwas Sensationelles entdeckt wird. Wenn die Ausgrabungen und die Sicherstellungen beendet sind, wird alles, was noch vor Ort an damals erinnert, wieder unter neuer Architektur verschwinden. Auf dem Gelände des ehemaligen Hafens und des „Parking 58“ entsteht das neue Verwaltungszentrum der Stadtgemeinde Brüssel.