Belgiens unberechenbarster Häftling, der Gangster "Farid le Fou", ist gestorben

Farid Bamouhammad (Foto), genannt „Farid le Fou“ („Farid der Verrückte“), war zeitlebens für besondere Schlagzeilen gut. Der Algerier mit französischer Staatsbürgerschaft erlangte als Häftling in Belgien eher traurige Berühmtheit, sorgte er mit seinen häufigen gewalttätigen Angriffen auf Wärter oder Mitgefangenen für Probleme. Oft gelang es ihm auszubrechen, doch lange blieb er nie „draußen“. Jetzt ist er seinem Krebsleiden erlegen, wie seine Familie bekannt gab.

In der Nacht zum Sonntag ist „Farid le Fou“ gestorben. Dieser berühmt-berüchtigte Dauerhäftling starb in einem Krankenhaus in Ukkel bei Brüssel, wohin er erst vor einigen Tagen gebracht wurde. Seine Krebserkrankung ließ einen Haftaufenthalt nicht mehr zu und er wurde in die Palliativabteilung des Krankenhauses verlegt, wo er im Kreise seiner Angehörigen verstarb. Der Franzose mit algerischen Wurzeln wurde 51 Jahre alt. Bamouhammad war am vergangenen Mittwoch in die Palliativstation des Krankenhauses von Ukkel verlegt worden.

Nach Angaben seiner Familie war er nach einem drei Wochen langen Hungerstreik und einem einwöchigen Trinkstreik als Protest gegen seine Behandlung in der Haft - einem seiner Dauerbrenner - vom Gefängnis Sint-Gillies in Brüssel ins Krankenhaus von Ukkel verlegt worden.

Ein Leben lang im Knast mit nur kurzen Momenten in „Freiheit“

Bamouhammad war 1985 wegen Mord, gewaltsamem Diebstahl und wegen Geiselnahme zu über 30 Jahren Haft verurteilt worden. Theoretisch hätte er bis 2027 hinter Gittern bleiben müssen. Doch immer wieder brach er aus, manchmal spektakulär, z.B. einmal in einem Luxusauto mit dem Gefängnisdirektor auf der Motorhaube des Wagens…

1997 kamen noch einmal 13 Jahre Haft nach einem Mord und Mordversuchen hinzu. Im Jahr 2000 sollte er nach Frankreich überstellt werden, doch im Rahmen eines vorherigen Hafturlaubs nahm er seine Schwiegereltern als Geiseln. Wieder kamen 5 Jahre Haft hinzu. 2005, Bamouhammad war ein Tag Hafturlaub gewährt worden, nahm er seine Ex-Frau und seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Wohnung über einem Café am Hinterausgang des Brüsseler Zentralbahnhofs als Geiseln (Foto unten). Zeitweise waren auch seine Tochter und ein anderes Kind dabei.

Doch schwer hatte es die Polizei nicht, ihn zu überlisten. „Farid Le Fou“ hatte Hunger und man lieferte ihm Lebensmittel, die mit Schlafmitteln versetzt waren. Kurz darauf wurde der schnarchende Gangster dort abgeholt… Nie blieb er lange in „Freiheit“, denn dazu war er, vorsichtig angedeutet, zu dumm. Für diese Geiselnahme wurden wieder 10 Jahre Haft verhängt.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Auch im Knast wollte ihn keiner haben

„Farid le Fou“ hat quasi jedes Gefängnis in Belgien „von innen“ gesehen, denn überall musste er nach Gewaltausbrüchen verlegt werden. Nicht selten streikten Gefängniswärter von Haftanstalten, zu denen er gebracht werden sollte, gegen sein Kommen… Das brachte ihm oft und lange Isolationshaft ein. 2015 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass der belgische Staat Farid Bamouhammad 42.000 € Schadensersatz zu zahlen habe, denn er sei wegen einer Krankheit nicht richtig in der Haft behandelt worden.

Ende 2014 wurde er aus medizinischen Gründen freigelassen und nach einem längeren Krankenhausaufenthalt war er vier Monate lang ein freier Mann. Doch dagegen gab es Proteste bis hin in höchste Justizkreise. Kurios war, dass die Anwälte von Farid Bamouhammad darauf drängten, ihren Mandanten wieder ins Gefängnis zu bringen, um seine Strafe(n) abzusitzen.

Im Januar 2017 wurde bei „Farid le Fou“ Krebs im Endstadium diagnostiziert. Letzte Woche wurde die Palliativstation des Krankenhauses von Ukkel die letzte Station seines traurigen Lebens als brutaler und unberechenbarer Gangster, der niemals Ruhe geben wollte. Noch zuletzt hatte er, wie bereits oben erwähnt, einmal mehr gegen seine Haftbedingungen mit einem Hungerstreik protestiert. Das war seine letzte Schlagzeile. 

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