Foto: Michael Bohn - Galerie Fox/Eupen

Christian Silvain: Flämischer Künstler wird durch Plagiate in China plötzlich weltbekannt

Christian Silvain (68, Foto) aus Kluisbergen in Ostflandern ist plötzlich weltberühmt. Seit Silvain selbst herausfand und bekanntgab, dass ein „Künstler“ in China sein Werk kopiert und damit viel Geld verdient, will jeder wissen, wer er ist. Derweil wird der „Plagiatkünstler“ Ye Yongqing (61) von der Kunstszene seines Landes regelrecht abserviert, wie die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad dazu meldet.

Das Kunstmuseum von Shanghai hat die Werke von Ye Yongqing abgehängt und will jetzt eine Ausstellung mit Christian Silvain organisieren und nicht wenige Kunstsammler aus China melden sich jetzt in dessen Atelier im ostflämischen Kluisbergen und wollen Bilder kaufen. Dies bestätigte auch die Galerie Fox in Eupen im deutschsprachigen Ostbelgien, wo Silvain, der dort aufgewachsen ist, vor kurzem erst ausgestellt wurde. Auch dort riefen bereits Chinesen an, die ungesehen Werke von Christian Silvain kaufen wollen.

Silvain selbst freut sich darüber, dass er endlich die Anerkennung bekommt, die er schon lange verdient, auch wenn die Plagiatsgeschichte einen üblen Beigeschmack hat. Gegenüber Het Nieuwsblad sagte er: „Das ist unglaublich. Ich werde mit Reaktionen überhäuft. Es ist natürlich auch gut, dass sich das Plagiat endlich bis China herumgesprochen hat.“

Christian Silvain beklagte sich schon vor rund einem Monat gegenüber der Redaktion von Het Nieuwsblad, dass er mit ansehen müsse, wie Ye Yongqing sein Werk abkupfert und damit viel Geld verdient: „Er versteigert ein Werk für 131.000 € während mein Original auf einen Wert um 15.000 € geschätzt wird.“ 

„Er hat die gesamte moderne Kunst in China beleidigt“

Kunstkritiker Jia Fangzhou in „China Daily“

Inzwischen sorgt diese Geschichte in China für Aufsehen. Seit ein Journalist davon gehört und darüber einen Beitrag geschrieben hat, wird Ye Yongqing in der dortigen Kunstszene zur „persona non grata“. Der chinesische Kunstkritiker Jia Fangzhou bemerkte in der Staatszeitung „China Daily“ dazu: „Er hat die gesamte moderne Kunst in China beleidigt“. Millionen habe er an seiner „Plagiatkunst“ verdient und zu seinen Fans zählten Bill Gates und Rupert Murdoch, die Werke von ihm erworben hätten.

Das Kunstmuseum in Shanghai hat die drei Ye-Werke aus seinem Besitz bereits abgehangen und möchte im Gegenzug dazu drei Bilder von Christian Silvain ausstellen. Silvain deutete gegenüber Het Nieuwsblad an, dass er inzwischen interessante Kontakte nach China habe: „Bisher wollen dort vier Museen meine Arbeit fördern. Mir geht es dabei nicht um Geld, sondern um meine Ehre und die ist wieder hergestellt. Das ist auch gut so, schließlich kopierte mich dieser Mann 25 Jahre lang.“

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Foto: Michael Bohn - Galerie Fox/Eupen

Christian Silvain hat inzwischen Unterstützung einer Chinesin, die in Brüssel lebt. Liu Yue hilft dem Künstler aus Flandern bei den Kontakten mit chinesischen Gesprächspartnern als Übersetzerin. Sie hatte übrigens aus ihrer Heimat vernommen, dass dort Kunststudenten fordern, Ye Yongqing seinen Titel als Professor abzuerkennen. 

„Als ich selbst Werke von ihm sah, war mir klar, dass hier etwas falsch läuft.“

Christian Silvain

Diese Plagiatkunst ist inzwischen in den Medien angekommen. In Belgien berichten Tageszeitungen und der Rundfunk darüber und schlussendlich sorgt der Betrug eines Spitzenkünstlers durch Plagiat in China für Schlagzeilen. Im chinesischen Kunstmagazin „Art Market Journal“ stellt man sich z.B. die Frage, wieso sich weltberühmte Auktionshäuser wie Sotheby’s oder Christie’s niemals Fragen zu den künstlerischen Einflüssen Ye’s gestellt haben… Der chinesische Künstler gab lediglich in der dortigen Zeitung "Southern Metropolis Daily" an, dass Silvain einer jener Künstler sei, "die mich am meisten beeinflusst haben." 

Aufgefallen waren einige Unstimmigkeiten zunächst einem Freund von Christian Silvain, der in Bonn in einer Ausstellung ein Bild von Ye Yongqing gesehen hatte. Auch ein Galerist aus Amsterdam stellte sich Fragen, denn dieser kannte das Werk des flämischen Künstlers. „Eines Tages erhielt ich einen Anruf eines Galeristen aus Amsterdam, der ein Werk gesehen hatte, das meiner Arbeitsweise ähnlich ist, doch die Qualität war nicht so gut wie bei mir. Als ich selbst Werke von ihm sah, war mir klar, dass hier etwas falsch läuft.“, wie Silvain im „Art Market Journal“ zitiert wird.

Nach Angaben von Jos Depypere, dem Galeristen von Christian Silvain in Kuurne in Westflandern, muss Ye Yongqing vor rund sechs Jahren damit begonnen haben, seinen Künstler zu kopieren. Möglicherweise habe Ye eine Ausstellung Silvains in Paris gesehen oder ihm sei ein Ausstellungskatalog in die Hände gefallen. Christian Silvain will keinen Prozess in China gegen Ye anstrengen, doch er meldete den Vorgang dem belgischen Autorenrechteverband SABAM. Wie er gegenüber dem frankophonen Rundfunk RTBF andeutete, will Silvain lediglich, dass der Verkauf oder die Auktion von Ye’s Werken zumindest in Europa unterbunden wird. 

Zum Vergleich: links: Ye Yongqing, rechts: Christian Silvain (Weibo)