Kardinal Jozef De Kesel: "Unsere Freiheit hat Grenzen"

Kardinal Jozef De Kesel, Primas der belgischen Katholiken und Erzbischof von Brüssel und Mechelen, hat in seiner Predigt am Samstagabend in der Kathedrale St. Michael und St. Gudula seine Zustimmung zur Herangehensweise des Papstes ausgesprochen, mit der die Kirche reformiert und modernisiert werden soll. Doch er sprach auch von den um unser Klima besorgten Jugendlichen und legte damit einen Link zu unserer Freiheit.

„Es ist die Versuchung unserer Zeit, alles haben zu wollen und am besten sofort. Unsere Freiheit ist nicht absolut und nicht ohne Einschränkungen. Die Jugendlichen, die in den vergangenen Wochen in den Straßen von Brüssel und anderswo demonstrieren, zeigen uns, dass wir nicht das Recht haben, mit der Schöpfung tun zu können, was wir wollen.“

Das gelte nicht nur für die ökologische Problematik, so Kardinal De Kesel, sondern auch für das ausufernde wirtschaftliche Wachstumsbestreben: „Dieses schafft auch größere Ungerechtigkeit und eine stets wachsende Ungleichheit. Auch der Drang nach immer mehr Konsum bedroht die Qualität unseres Menschseins und unserer Kultur. Es macht uns selbstzufrieden und lässt uns gleichgültig gegenüber den großen Herausforderungen unserer Zeit werden.“ 

Auch der Drang nach immer mehr Konsum bedroht die Qualität unseres Menschseins und unserer Kultur. Es macht uns selbstzufrieden und lässt uns gleichgültig gegenüber den großen Herausforderungen unserer Zeit werden.“ 

Kardinal Jozef De Kesel

Der Primas der katholischen Kirche in Belgien blickte in seiner Predigt auch auf die Sonderkonferenz, das „Treffen zum Schutz Minderjähriger in der Kirche“, der Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen aus aller Welt im Vatikan vor einigen Tagen zurück und lobte die Herangehensweise von Papst Franziskus:

„Seine Weise, sich auszudrücken, zeugt von einem tiefen Verlangen nach Erneuerung und Reform der Kirche. Er wird von Prüfungen nicht verschont. Zuletzt zeigte er noch einmal, wie ernst das Drama um sexuellen Missbrauch genommen werden muss und wie dringend eine Konversion der Kirche ist.“