Die Notrufnummer 1722 war beim Sturm völlig überbelastet

Die Notrufnummer 1722, die die staatlichen Behörden in Belgien für dringende aber nicht lebensbedrohliche Vorfälle bei Unwettern freischaltet, war am vergangenen Sonntag völlig überlastet. Noch nie haben so viele Bürger diese Nummer gewählt, hieß es dazu. Doch diese Überbelastung zeigt ein Problem auf, dass nicht nur hier herrscht: Personalmangel.

Die Notrufnummer 1722 ist eine Nummer, die das belgische Innenministerium ins Leben gerufen hat, um die akute Notrufnummer 112 im Falle von Katastrophen zu entlasten. Sie wurde nicht zuletzt eingeführt, nach dem die 112 nach den Anschlägen auf Zaventem und Brüssel am 16. März 2016 zusammengebrochen war.

Die 1722 soll angewählt werden, wenn sich Probleme auftun, die trotz ihrer Schwere keine lebensbedrohlichen Folgen haben. Das bedeutet z.B. ein im Sturm abgedecktes Dach, bei dem es zu keinem Personenschaden kam oder umgeknickte Bäume auf Häuser oder Verkehrswege, durch die es ebenfalls nicht zu Verletzten oder gar Toten kam.

Am vergangenen Wochenende, speziell am Sonntag, war die 1722 zusammengebrochen. Tausende Anrufer wollten während des Sturms oder unmittelbar danach über diese Nummer um Hilfe bitten oder die Feuerwehr alarmieren. Doch auf hunderte Notrufe pro Minute war und ist in den Notrufzentralen niemand vorbereitet. Bis Sonntagabend um 20 Uhr, als der Sturm mehr oder weniger vorrüber war, wurde die 1722 insgesamt 78.374 Mal angewählt... 

Die meisten Anrufe kamen aus den Provinzen Ostflandern (24.671), Antwerpen (22.112) und Flämisch-Brabant (9.833), die am schwersten betroffen waren. Danach folgten die Provinzen Limburg (9.286), Westflandern (7.279), Lüttich (1.841), Namur (1.341) und Luxemburg (775). In der für Brüssel und Flämisch-Brabant zuständigen Zentgrale gingen 402 Notrufe ein. Nicht selten riefen besorgte Bürger mehrmals an und belegten die Warteschleifen zusätzlich.

Personalknappheit

Das Problem ist, dass die Personen, die die 1722 anwählen, in den gleichen Zentralen ankommen, in denen in Belgien auch die Notrufe der 112 ankommen. Allerdings sind das nicht die gleichen Mitarbeiter. Zuständig sind für diese Notrufzentralen gemeinsam das belgische Innen- und das belgische Gesundheitsministerium.

Wenn die 1722 freigeschaltet wird, z.B. von sich ankündigenden Unwettern, dann setzen beide Ministerien zusätzliches Personal ein, das dann jeweils 12-Stunden-Schichten fährt, auch nachts.

Insgesamt zählt Belgien 10 Notrufzentralen von denen sich eine Flämisch-Brabant und Brüssel aufteilt. Doch in jeder Zentrale können nur jeweils 40 Personen gemeinsam an den Telefonen sitzen, um Notrufe anzunehmen. Jetzt hat sich erwiesen, dass dies viel zu wenig ist, zumal sich der Sturm der vergangenen Tage nicht regional beschränkte, sondern in seiner ganzen Kraft über das ganze Land hinweg zog.

Bei den Gewerkschaften heißt es dazu, dass die Zentralen zu 20 bis 40 % unterbesetzt sind und dass es zu selten zu Anwerbungen kommt. Zudem braucht es anderthalb bis zwei Jahre bis ein Mitarbeiter einer Notrufzentrale ausreichend ausgebildet ist. 

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