Terrorprozess in Brüssel: Lebenslänglich für Mehdi Nemmouche

Der Hauptangeklagte im Prozess um den Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel im Mai 2014, Mehdi Nemmouche, ist in der Nacht zum Dienstag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nacer Bendrer, als Komplize Nemmouches angeklagt, muss für 15 Jahre ins Gefängnis. Damit haben die Geschworenen die von der Staatsanwaltschaft geforderte Höchststrafe gegen Nemmouche bestätigt.

Bis spät in die Nacht hinein hatten die Geschworenen über das Strafmaß gegen Mehdi Nemmouche beraten. Heraus kam dabei für den Hauptangeklagten lebenslange Haft, was nach belgischem Recht 30 Jahre Gefängnis bedeutet. Hinzu kommen im Anschluss daran noch 15 Jahre Sicherheitsverwahrung. 

Der Mitangeklagte Nacer Bendrer muss für 15 Jahre ins Gefängnis. Dass die Jury im Fall des Hauptangeklagten die mögliche Höchststrafe gibt, überrascht niemanden. Die Verteidigung von Nemmouche hatte nach Abschluss des eigentlichen Verfahrens kein milderes Urteil gefordert, denn dies hätte ein Schuldbekenntnis bedeutet.

Nemmouche behauptet nämlich nach wie vor, dass er nicht der Attentäter ist, der am 24. Mai 2014 im Jüdischen Museum von Brüssel vier Menschen mit Schüssel ums Leben gebracht hat. Seine letzten Worte vor der Urteilsverkündung? „Das Leben geht weiter…“ 

„Er war der Planer und der direkte Ausführende. Der Anschlag hatte einen antisemitischen Charakter und traf das symbolische Herz der jüdischen Gemeinschaft.“

Richterin Laurence Massart bei der Urteilsverkündung

Der zuständige Richterin Laurence Massart sagte nach der Urteilsverkündung: „Er war der Planer und der direkte ausführende. Der Anschlag hatte einen antisemitischen Charakter und traf das symbolische Herz der jüdischen Gemeinschaft. Nemmouche selbst war egozentrisch und narzistisch.“

Nacer Bendrer, der nach Ansicht der Justiz Nemmouche die Waffen für den Terroranschlag geliefert hatte (dieser Anschlag gilt übrigens als der erste Anschlag mit IS-Hintergrund in Europa), hatte stets betont, nicht gewusst zu haben, wofür Nemmouche die Waffen brauchte, die er ihm geliefert hatte. Dem schenkten die Geschworenen offenbar Glauben, denn sie gaben Bendrer ein milderes Urteil als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Die zivile Jury hatte die beiden Angeklagten bereits in der vergangenen Woche auf ganzer Linie für schuldig befunden. Jetzt, nach dem offiziellen Strafmaß durch das Schwurgericht haben die beiden Verurteilten die Möglichkeit, dagegen in Berufung zu gehen. 

Die Verantwortlichen des Jüdischen Museums in Brüssel zeigten sich nach Verkündung des Urteils zufrieden. Die Gerechtigkeit und der Rechtsstaat hätten gesiegt, so das Mueum in einer Mitteilung am Dienstag. Man wolle sich auch weiterhin nicht einschüchtern lassen und seinem kulturellen Auftrag weiter treu bleiben. Dies sei man nicht zuletzt den Opfern dieses Anschlags schuldig. Die Opfer waren zwei israelische Besucher und zwei Mitarbeiter des Museums.

 

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