Foto: Andreas Kockartz

Brüssel verliert Punkte in Sachen Lebensqualität und verpasst es, vom Brexit zu profitieren

Brüssel verliert einen Platz auf der Liste der Städte mit der höchsten Lebensqualität. Nach dem aktuellen Ranking des Unternehmensberaters Mercer belegt die belgische Hauptstadt jetzt den 28. Rang der lebenswertesten Städte. Wien und Zürich führen die Liste an. Gleichzeitig verpasst es Brüssel, vom Brexit zu profitieren. Viele Unternehmen, besonders jene aus der Finanzwelt, lassen die belgische und europäische Hauptstadt links liegen.

Mercer hat in diesen Tagen seine 21. Liste der lebenswertesten Städte und Metropolen vorgelegt und hier büßt Brüssel einen Platz ein, rückt also auf den 28. Rang ab. Mercer untersucht die Lebensqualität von insgesamt 231 Städten weltweit im Sinne der Möglichkeit, das Unternehmen Mitarbeiter, sogenannte „Expats“ dahin entsenden will.

In dieser "Quality of Living ranking" verliert Brüssel einen Rang, den die belgische Hauptstadt muss in Sachen Sicherheit Federn lassen. Mercer teilte den Sicherheitsbereich in mehrere Teile auf: Kriminalität, Ordnungshandhabe und Pressefreiheit. Mercer begründet den erneuten Verlust eines Rangs für Brüssel erneut mit den Terroranschlägen am 22. März 2016… 

Brüssel gewinnt kaum Unternehmen für sich, die Großbritannien verlassen

Von den bisher 269 Finanzunternehmen, die im Zuge des Brexit Großbritannien ganz oder zum Teil verlassen, oder die andernorts in Europa neue Aktivitäten an den Start bringen, haben sich lediglich 9 für den Standort Brüssel entschieden. Die meisten dieser Unternehmen zieht es in die irische Hauptstadt Dublin (100) oder nach Luxemburg (60), wie der Londoner Thinktank New Financial feststellte.

Warum Brüssel aus dem Exodus der Finanzwelt weg von London keinen Profit ziehen kann, ist fraglich. Offenbar hat Brüssel auf die geografische Nähe zum Finanzplatz London, bzw. auf die Anziehungskraft als EU-Hauptstadt im Herzen der Union gesetzt, ohne sich um die Argumente der Konkurrenzstädte zu kümmern, kritisiert die frankophone Tageszeitung La Libre Belgique diesen Umstand. Baron Paul Buysse, der Vorsitzende der belgischen Brexit-Task Force, zeigte sich enttäuscht und wird von LLB mit den Worten zitiert: „Dieses Belgien muss neugemacht werden.“ 

Verlierer in Sachen Brexit?

Belgien im Allgemeinen, sowie die Hauptstadt-Region Brüssel und das Bundesland Flandern im Besonderen, gehören in Sachen Brexit wirtschaftlich ohnehin zu den Verlierern, besonders bei einem „harten“ Brexit ohne Deal mit der EU. Flandern wappnet sich dagegen seit geraumer Zeit, doch Brüssel scheint noch immer nur zuzuschauen. 

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