Flanderns MP Bourgeois rät den Briten: "Bleibt in einer Zollunion mit der EU!"

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA - Foto) reagierte hoch erfreut darüber, dass das Unterhaus im britischen Parlament per Abstimmung gegen einen Brexit ohne Abkommen mit der EU ausgesprochen hat. Bourgeois hofft jetzt, dass der Brexit verschoben oder gar zurückgenommen wird. Wenn nicht, dann ruft er die Briten dazu auf, zumindest in einer Zollunion mit der EU zu bleiben.

Ministerpräsident Bourgeois schlägt der britischen Regierung vor, in einer Zollunion mit der Europäischen Union zu bleiben. Damit hätten sie einen Status vergleichbar mit dem der Türkei gegenüber der EU: „Dann hätten sie alles, was sie wollen.“ Trotz einer gewissen Unklarheit in Richtung Zukunft ist der flämische Landeschef zunächst einmal erleichtert: „Ich bin froh darüber, dass sie gegen ein ‚no deal‘-Szenario sind. ‚No deal is a bad deal‘, das schlechteste Szenario für sie, für die EU und ganz sicher auch für Flandern. Dann verlieren wir enorm in Sachen Wohlstand und Jobs.“

„‚No deal is a bad deal‘, das schlechteste Szenario für sie, für die EU und ganz sicher auch für Flandern. Dann verlieren wir enorm in Sachen Wohlstand und Jobs.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois

Jetzt allerdings müssen die Briten sagen, was sie wollen: „Ich würde bevorzugen, dass sie einen Schritt nach hinten machen. Dass sie sagen, dass sie bei uns bleiben. Oder, dass sie mindestens um Aufschub bitten, in dem sie ein neues Referendum oder neue Wahlen ausrufen. Ich glaube nämlich, dass die öffentliche Meinung, sicher die jungen Leute in Großbritannien, langsam einsehen, welche enormen Folgen mit diesem Brexit verbunden sind. Dann könnte man hoffen, dass sie nach einem neuen Referendum oder nach Neuwahlen auf ihre Schritte verzichten.“ 

„Dann haben sie alles, was sie sich wünschen.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois

Wenn die Briten bei ihrem Brexit bleiben, können sie weiter von der EU profitieren, so Bourgeois am Donnerstag gegenüber VRT NWS: „Ihnen muss dann klar sein, dass sie das Austrittsabkommen, worüber so lange verhandelt wurde - 585 Seiten - annehmen müssen. Und dann müssen sie auf eine ‚rote Linie‘, die sie sich bis jetzt gelassen haben, verzichten.“

„Die besten Handelsabkommen werden durch diesen einen großen Block, genannt EU, geschlossen.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois

Damit weist MP Bourgeois in Richtung der Zollunion zwischen der EU und den Briten, „so, wie die Türkei mit der EU verbunden ist. Weniger enge Bindungen kann man doch nicht haben. Dann haben sie ungefähr alles, was sie haben wollen: Kein freier Verkehr von Personen mehr, keine festen Beiträge zum Haushalt, sie fallen nicht mehr unter die juristische Autorität des EU-Gerichtshofes und sie haben de facto eine Lösung für das Problem mit der Grenze zwischen Irland und Nordirland.“

In diesem Falle müssen sie lediglich akzeptieren, so Bourgeois, dass sie selbst keine Handelsabkommen schließen können, doch „da haben sie auch nur Vorteile bei, weil nämlich die besten Handelsabkommen durch diesen einen großen Block, genannt EU, geschlossen werden.“ 

Viel zu verlieren

Die Wirtschaft im belgischen Bundesland Flandern hat bei einem Brexit viel zu verlieren und viele Unternehmer in ganz Belgien machen sich derzeit trotz der Abstimmungen der letzten beiden Tage in London weiter Sorgen. Aus Daten des belgischen Wirtschaftsministeriums ist ersichtlich, dass rund 18.000 hiesige Firmen Produkte nach Großbritannien exportieren.

Damit sind die britischen Inseln der viertwichtigste Exportmarkt für unser Land. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF)steht Belgien denn auch auf Rang 4 der am schwersten von einem Brexit getroffenen Länder.  

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