Kardinal Godfried Danneels ist im Alter von 85 Jahren verstorben

Godfried Danneels war rund 30 Jahre lang Erzbischof und damit das Oberhaupt der belgischen katholischen Kirche. Danneels galt ein bisschen gegen seinen Willen als progressiv und genoss auch außerhalb der Kirche ein hohes Ansehen in der Gesellschaft. Doch 2010, als der Missbrauch-Skandal um den Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, ans Tageslicht kam, bekam auch das Image von Danneels Risse. 

Godfried Maria Jules Kardinal Danneels kam am 4. Juni 1933 in Kanegem, heute ein Ortsteil von Tielt in der Provinz Westflandern zur Welt. Er war das älteste Kind einer katholischen Durchschnittsfamilie. Sei Vater war Dorfschullehrer und seine Mutter Hausfrau. Der junge Godfried ist ein guter Schüler - er übersprang sogar ein Schuljahr - und er ist tiefgläubig. „Von meinem Vater habe ich den Verstand geerbt und von meiner Mutter das Herz“, sagte Danneels gerne über seine Eltern. Nach dem Abitur studierte Godfried Danneels an einem katholischen Seminar Philosophie und später zog es ihn an die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom, um Theologie zu studieren, worin er auch promovierte. Zwischendurch, am 17. August 1957, wurde er in seiner westflämischen Heimatgemeinde zum Priester geweiht.

Studium und steile Karriere

Nach dem Studium gibt Danneels Unterrichte, z.B. am Großseminar in Brügge. Später doziert er Liturgie und Sakramente an der Katholischen Universität in Löwen. Die 1960er und 1970er Jahre über ist er im katholischen Bildungswesen tätig, doch dann nahm seine Karriere einen steilen Bogen nach oben. Am 4. November 1977 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Bischof von Antwerpen. Die Bischofsweihe empfing er durch den damaligen Erzbischof von Mechelen und Brüssel, Léon-Joseph Kardinal Suenens, am 18. Dezember 1977. Zwei Jahre später, am 19. Dezember 1979, übertrug ihm Papst Johannes Paul II. die Leitung des Erzbistums Mechelen und Brüssel und nahm und er übernahm den Vorsitz über die belgische Bischofskonferenz sowie das Amt des Militärbischofs für Belgien.

Progressiver Kardinal

1983 wurde Godfried Danneels Kardinal und galt schon damals als eher progressiv, eine seltene Eigenschaft für einen Geistlichen in einem solchen Amt. Danneels gilt als einer der Förderer der Befreiungstheologie in Latein-Amerika und als Befürworter von Reformen innerhalb der Kirche. In den 1990er Jahren wurde ihm als Vorsitzenden von Pax Christi International eine führende Rolle bei der Suche nach Frieden auf dem Balkan zuteil. Im Jahr 2004 sorgte er für Aufruhr, als er HIV-Infizierten und Aidskranken empfahl, beim Geschlechtsverkehr doch bitte ein Kondom zu nutzen…

Vielleicht wurde ihm dieses progressive Image zum Verhängnis, als ein Nachfolger für Papst Johannes Paul II. gesucht wurde. Doch auch die Haltung seines Heimatlandes Belgien in Sachen Sterbehilfe, Abtreibung oder auch die Stammzellenforschung, die nicht zuletzt an den katholischen Universitäten von Löwen und Louvain-La-Neuve betrieben wurde und wird, tat ihr Übriges dafür, dass Danneels nicht Papst wurde. Stattdessen wurde der erzkonservative deutsche Kardinal Joseph Ratzinger Oberhaupt der Katholiken…

Vatikan

Kardinal Godfried Danneels stellt am 22. Mai 2008 sein Amt aus Altersgründen zur Verfügung, doch der Heilige Vater im Vatikan bittet ihn, noch ein Jahr weiterzumachen. In diese Zeit fiel auch die Heiligsprechung des belgischen Paters Damien, die Danneels organisieren half. 2010 bekam Belgien dann doch mit André Léonard einen neuen Erzbischof, doch Danneels, der seinen Titel eines Kardinals behielt, blieb aktiv im Geschehen innerhalb der Kirche. 2013 nahm er zum zweiten Mal an einer Papstwahl teil, wo er sich für seinen Freund und Vertrauten, den argentinischen Kardinal Jorge Bergoglio einsetzte, der sich als frischgebackener Papst Franziskus bei Danneels in seiner ersten Rede als Oberhaupt des Katholiken als Zweitem bedankte.

Risse im Image

Zwei Jahre später brach der Kindesmissbrauchs-Skandal in der belgischen Kirche aus, als bekannt wurde, dass der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, zahllose Male seinen eigenen Neffen sexuell missbraucht hatte. Im Zuge dessen wurden hunderte weitere Fälle von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen und Schutzbefohlenen in der belgischen Kirche bekannt, als sich Opfer viele Jahre nach den Vorfällen meldeten und es zu Ermittlungen und Verfahren kam. Danneels wurde verhört, seine Wohnung und seine Amtsräume wurden durchsucht. Die Medien ließen damals keine Ruhe und beobachteten die Vorgänge genau.

Vor einem Untersuchungsausschuss gab er damals an, „nicht moralisch verantwortlich zu sein“, doch der Vorwurf stand im Raum, er habe schützende Hände über die Vergehen seiner Untergebenen gelegt. Seine passive Haltung in dieser Frage enttäuschte viele in Belgien, nicht nur Kritiker oder Opfer, sondern auch viele ihm eigentlich treu ergebene Gläubige. Danach wurde es ruhig um Godfried Danneels und dessen Gesundheit wurde im Laufe der Zeit immer schlechter. Jetzt, am 14. März 2019, verstarb er in Mechelen.  

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