Öffentlicher Verkehr in Flandern stockt wegen der Staus und schlägt radikale Maßnahmen vor

Mehr als die Hälfte der Busse und Straßenbahnen von De Lijn verspäten sich in der abendlichen Hauptverkehrszeit pro Fahrt um mehr als 5 Minuten. Die flämische Verkehrsgesellschaft plädiert deshalb für Maßnahmen, die einen besseren Verkehrsfluss ermöglichen.

Die Zahl der Beschwerden, die bei De Lijn eingehen, steigt von Jahr zu Jahr weiter an. Und Zufriedenheitsumfragen, die De Lijn selbst durchführt, ergeben ein ähnliches Bild.

Laut Roger Kesteloot, Generaldirektor von De Lijn, liege die Hauptursache für die Unzufriedenheit der Fahrgäste in der Unpünktlichkeit der Busse und Straßenbahnen. Derzeit fahren kaum 47 Prozent aller Busse und Straßenbahnen pünktlich zur abendlichen Hauptverkehrszeit, genauer gesagt ohne eine Verzögerung von mehr als fünf Minuten. Bei De Lijn glauben sie, dass Busse und Straßenbahnen "von den Staus auf der Straße" abhängen. Nach Ansicht der Verkehrsgesellschaft sei es deshalb dringend notwendig, den Verkehrsfluss zu verbessern.

Radikale Maßnahmen notwendig

Die radikalste, aber auch effizienteste Maßnahme ist die Schaffung von mehr und längeren Fahrspuren, auf denen nur Busse und Straßenbahnen fahren dürfen. Weitere Maßnahmen, die den Verkehrsfluss fördern, sind eine bessere und kontrolliertere Abstimmung der Ampeln, mehr Vorrang für den öffentlichen Verkehr und das Halten an Haltestellen auf der Fahrbahn, anstatt zu seitlichen „Halte-Inseln“ ausweichen zu müssen.

Ambitionierte Klimapolitik, anderes Fahrverhalten

De Lijn fühlt sich in seinen Forderungen an die flämische Regierung durch die wachsende gesellschaftliche Unterstützung für eine immer ambitioniertere Klimapolitik gestärkt. Eine nachhaltige Mobilität sei in diesem Zusammenhang unerlässlich, heißt es.

Flämische Großstädte formulieren selbst Ziele für einen Modal-shift, eine Verlagerung auf die öffentlichen Verkehrsmittel und eine Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens. Einige Städte, z.B. Antwerpen, wollen ein Verhältnis von 50/50, das heißt nur die Hälfte der Fahrten in der Stadt sollte mit dem Auto gemacht werden. Die andere Hälfte sollte dann mit umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln, wie z.B. öffentlichen Verkehrsmitteln, ausgefüllt werden.

Forderung nach zusätzlichen Ressourcen

De Lijn selbst schlägt ein langfristiges Wachstumsszenario von 50 Prozent vor. Doch um sowohl die Qualität als auch das Angebot von Bus und Straßenbahn zu verbessern, bedarf es  zusätzlicher Finanzmittel. Ob diese zusätzlichen Mittel in den kommenden Jahren zur Verfügung gestellt werden, hängt von der nächsten flämischen Regierung ab. 

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