Flip Franssen

Sind die Bevölkerungsscreenings für Krebs sinnvoll?

Patienten sollten vor einem Krebs-Screening besser von ihrem Hausarzt über mögliche Nachteile einer solchen Vorsorge informiert werden. Das sagt die Professorin für Hausarztmedizin, Ann Van den Bruel, in der Zeitung Het Belang van Limburg anlässlich eines Symposiums zur Krebsvorsorge an diesem Samstag in Hasselt. "Die Menschen halten diese Vorsorgeuntersuchungen fälschlicherweise für eine präventive Maßnahme. Das Motto "selbst wenn es nichts nützt, schaden tut es auch nicht", sei nicht wahr, denn es schade immer und manchmal nütze es auch.

Im Moment können Sie sich hierzulande präventiv auf drei Krebsarten untersuchen lassen: Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs. Durch die Regierung werden Menschen in bestimmten Altersgruppen zu diesem Bevölkerungsscreening eingeladen. Die Idee dahinter ist, dass frühzeitig erkannte Krebsarten besser behandelt werden können, was die Chance auf eine Heilung erhöht. In diese Untersuchungen wird massiv investiert, da man davon ausgeht, dass dies mehr Vorteile für die öffentliche Gesundheit als Nachteile hat.

Doch das sei nur ein Teil der Geschichte, sagt Professorin Ann Van den Bruel. "Ein grundlegendes Missverständnis ist, dass die Krebsvorsorge die Krankheit verhindert. Das Gegenteil ist der Fall: Indem Sie sich screenen lassen, erhöhen Sie die Chance, die Krebsdiagnose zu erhalten. Sie suchen nämlich bei einem gesunden Menschen ohne Symptome aktiv nach einer Krankheit.

Auffallend ist, dass die Krebs-Screenings keine aggressiven Fälle schneller erkennen, sondern vor allem Krebsarten, die sich langsam entwickeln. "Besonders bei Brustkrebs kann ein schwerer Krebs innerhalb von sechs Monaten deutliche Symptome hervorrufen, während die Vorsorge nur alle zwei Jahre stattfindet. Man stößt also auf diese Weise nicht auf aggressive Krebsarten, weil diese sich zwischen den geplanten Untersuchungen bemerkbar machen. Die langsamen Krebsarten ‘warten hingegen quasi darauf‘, bei einem solchen Screening gefunden zu werden.“

Überdiagnosen und Falschdiagnosen

Laut Van den Bruel bestünden zwei große Nachteile, die mit der aktuellen Brustkrebsvorsorge verbunden sind. Auf der einen Seite seien das die Falschdiagnosen: Jemand erhält ein positives Ergebnis auf einen Krebstest, stellt sich aber letztlich als nicht krank heraus. Dieser Nachteil ist von kurzer Dauer und mit viel Stress verbunden. Schlimmer seien die Überdiagnosen, sagt Van den Bruel.

"Mit mehr Screenings werden mehr Krebsfälle früher erkannt, auch bei Menschen, die sonst niemals  davon erfahren hätten und wahrscheinlich auch nie darunter gelitten hätten. Das Ergebnis dieser Diagnose ist, dass eine Behandlung mit allen Konsequenzen für den Patienten eingeleitet wird. Die Krebsvorsorge führt daher zu mehr Behandlungen, die nicht unbedingt alle notwendig sind. Das Problem ist, dass man auf individueller Ebene nie mit Sicherheit sagen kann, ob eine Behandlung überflüssig gewesen wäre oder nicht. Das Motto "Es nutzt zwar nichts, es schadet aber auch nicht" gilt hier gerade nicht. Während die Screenings manchmal der Gesundheit einer Person nutzen, verursachen sie nämlich immer Schäden.“

Präziseres Screening und bessere Informationen

Laut Van den Bruel sollten Allgemeinmediziner ihre Patienten besser über Krebsvorsorgeuntersuchungen informieren. "Meine Botschaft ist, dass wir den Mut haben sollten, diese Bevölkerungs-Screenings in Frage zu stellen. Jetzt erhalten die Menschen eine entsprechende Einladung in ihrem Briefkasten und vereinbaren direkt einen Termin. Doch Hausärzte sollten bei der Information und Aufklärung eine Rolle spielen und eingeschaltet werden. Die persönliche Wahlfreiheit des Patienten sollte schließlich im Mittelpunkt stehen. Und man kann nur dann eine Wahl treffen, wenn man gut und nuanciert informiert ist.“

Schließlich weist Van den Bruel darauf hin, dass die bestehenden Screenings vielleicht auch altersbedingt anders organisiert werden könnten. "Jetzt wird jeder in einem bestimmten Alter untersucht, unabhängig von seinem Risikoprofil. Dies ist eine unnötig große Gruppe. Zum Beispiel erscheint mir eine stärkere Fokussierung auf Menschen mit einem höheren Risiko innerhalb einer bestimmten Altersgruppe als logisch."

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