Nur 1 von 3 Opfern der Anschläge vom 22. März in Belgien hat bislang eine volle Entschädigung erhalten

Drei Jahre nach den Anschlägen vom 22. März 2016 am Brüsseler Flughafen Zaventem und in Brüssel hat nur 36 Prozent aller Opfer eine vollständige Entschädigung erhalten. Das schreibt die Sonntagszeitung De Zondag. Insbesondere bei den medizinischen Kosten würde sich die Erstattung erheblich verzögern. Viele Opfer fühlten sich von der Regierung und den Versicherungsgesellschaften im Stich gelassen, heißt es auch noch.

Viele Opfer werden mit dem bürokratischen Umgang des Terroranschlags in Zaventem und Brüssel konfrontiert. Bei der Hilfe für die Opfer kann also einiges verbessert werden.

Letzte Woche erst hat Philippe Vandenberghe, eines der Opfer des Anschlags auf dem Flughafen Zaventem, seinen 25-tägigen Hungerstreik eingestellt.  Vandenberghe ist Mitglied des V-Europe-Opferverbandes. Er kämpft für die notwendige Hilfe und Nachsorge für alle Terroropfer. Seinen Informationen zufolge hätten nämlich viele von ihnen diese Leistungen noch immer nicht erhalten. Aus diesem Grund war er vor 25 Tagen in den Hungerstreik getreten.

Woran hapert es?

So würde sich beispielsweise die Erstattung von Krankheitskosten erheblich verzögern und viele Opfer würden auch mit einem Berg von Papieren für die Versicherung konfrontiert. Das, so heißt es, helfe den Opfern nicht gerade, die die Anschläge verarbeiten und hinter sich lassen wollten.

Manchmal könne die endgültige Entschädigung nicht schnell ausbezahlt werden, weil sich die Situation einiger Opfer noch ändern könne, lautet eine Begründung der Versicherungsgesellschaften. Nach Angaben des Versicherungsverbandes Assuralia sei es also ganz normal, dass sich einige Fälle länger hinzögen.

"Bei einigen Opfern weiß man zum Beispiel nicht, wie sich bestimmte Verletzungen entwickeln werden", betont François de Clippele von Assuralia. "In einigen Fällen kann sich die Gesundheit schnell verbessern, in anderen Fällen kann sich die Situation verschlimmern und das Opfer hat Recht auf eine viel höhere Entschädigung, als die, von der man heute ausgehen kann", fährt François de Clippele von Assuralia fort.

"Doch alle Opfer, die noch keine endgültige Entschädigung erhalten haben, haben inzwischen  Vorschüsse bekommen", so de Clippele auch noch. "Außerdem sehen wir, wenn wir das mit den Anschlägen in Paris vergleichen, dass auch dort erst etwa jedes dritte Opfer eine volle Entschädigung von der Versicherung erhalten hat."

Und wie regelt Deutschland die Hilfe für Terroropfer?

Als Reaktion auf den Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz vom Dezember 2016 wurde zu Beginn des Jahres 2018 in Berlin eine zentrale Anlaufstelle für Opfer eingerichtet. Die Stelle soll helfen, Ansprüche auf Entschädigung schneller zu bearbeiten und besser Soforthilfe leisten zu können. Sie wurde nach scharfer Kritik am Umgang von Opfern und Hinterbliebenen der Terroropfer gegründet und ist beim Bundesjustizministerium angesiedelt. Nach dem Attentat hatten sich viele Opfer und Angehörige im Stich gelassen gefühlt, weil die Hilfe nur schleppend voran ging.