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Gipfel der Städte und Regionen: Ein Plädoyer für Diversität (Teil II)

Zum Gipfel im rumänischen Bukarest, bei dem hunderte Vertreter von Städten und Regionen über die Zukunft der EU und die Rolle, die sie dabei spielen können, debattierten, ist aus Belgien außer Philippe Close (Teil I) u.a. auch der „beste Bürgermeister der Welt“ angereist. Die Rede ist von Bart Somers aus dem flämischen Mechelen. Wie für Close ist auch für Somers Diversität Trumpf. 

Bart Somers bekam die Auszeichnung „World Mayor“ bereits 2016, weil er sich nach Ansicht der Stiftung "City Mayors Foundation" in London, die den Preis seit 2004 alle zwei Jahre vergibt, besonders um die Integration in seiner Stadt verdient gemacht habe. Sein Rezept verrät Somers inzwischen anderen Bürgermeistern weltweit.

In Mechelen leben etwa 24% Muslime, doch kein einziger sei nach Syrien aufgebrochen, erklärt uns Somers in einem Interview. Mechelen ist international als eine Stadt bekannt geworden, die positiv mit Diversität umgeht.

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Bürgermeister von Mechelen, Bart Somers © European Union / Denis Closon

Es sei eine Kombination aus zwei Dingen, so der Flame: Erstens eine Politik auf dem Gebiet der Sicherheit, weil eine unsichere Stadt Nährboden für Polarisierung böte und ihre Bürger das Vertrauen in die Politik verlieren würden. Doch diese Politik der Sicherheit und Sauberkeit habe erst durch die Kombination mit einem inklusiven Vorgehen die Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist, ein Vorbild für die Kommunalpolitik. So gehe Mechelen mit zahlreichen Projekten gegen Segregation und Gruppendenken vor.

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„Diversität und Freiheit sind miteinander verbunden“

„Wenn Du ein Neuling in unserer Stadt bist, dann gehen wir mit Dir zu einem Speed-Dating und dann kannst Du zwischen vier Personen wählen, die zu Deinem "Lernpartner" ("Buddy") werden. Sechs Monate lang, jede Woche eine Stunde, unternehmen sie etwas mit Dir in der Stadt, damit Du Dein Niederländisch praktizieren kannst. Der Buddy erklärt Dir auch, wie unsere Gesellschaft funktioniert. (…) Ganz banale und offensichtliche Dinge müssen Neuankömmlingen natürlich erklärt werden und nach 6 Monaten bekommen beide ein Diplom im Rathaus. Aber das Beste daran ist, dass all die ‘Pärchen‘ – inzwischen sind es fast 200 - Freunde fürs Leben werden.“ Das ist nur ein Beispiel für positive Integration, Somers könnte noch lange so weitererzählen.

Doch eines ist  für ihn klar: Man müsse die Stadt als eine Stadt der Bürger sehen und nicht als eine der Gemeinschaften. „Dieses Gruppendenken sowohl von rechten als auch von linken Politikern ist ‘old school‘ (dt.: überholt). Linke Politiker sehen nur Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung und die Rechten sehen nur Missbrauch des Sozialsystems und Kriminalität“, so Somers. „Damit reduzieren Sie die Menschen. Wir haben alle viele Identitäten, aber man reduziert sie damit auf eine und definiert sie und dann muss man sie beantworten. Man geht sogar noch einen Schritt weiter und definiert, wie unsere Kultur auszusehen hat und was die Leitkultur ist. Damit baust Du Dir Dein eigenes Gefängnis.“

Diversität und Freiheit seien miteinander verbunden. Natürlich müsse man die Grundwerte  wie Gleichheit von Mann und Frau, freie Meinungsäußerung, Trennung von Staat und Kirche und Rechtsstaatlichkeit teilen. „Hier gebe ich keinen Millimeter nach. Sie sind wichtig, denn sie garantieren vor allem die Rechte der Minderheit“, betont Somers.

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Konzept des ‘guten Flamen‘ ist gefährlich

„Doch in Flandern gibt es Leute, die kommen mit dem Konzept des ‘guten Flamen‘ daher. Das ist sehr gefährlich. Das ist das Ende unserer Freiheit. (…) Der Kern unserer westlichen Gesellschaft ist die Freiheit, die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was man glaubt, wie man sich verhält und was Deine Werte sind. Das macht unsere Gesellschaft stärker und es ist die Diversität in der Gesellschaft, die häufig Antrieb zu Erneuerung und Veränderung ist und durch die wir neue Erkenntnisse gewinnen.“

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Europa in unsere Städte, in unser Denken und Handeln eingliedern

Und was er vom Gipfel der Städte und Regionen in Bukarest an Erkenntnissen mitnehme?, wollen wir von Bürgermeister Somers noch wissen. Das 21. Jahrhundert werde auf zwei Politikebenen wichtig: So würden die Städte besonders wichtig. „Sie sind die Lösung für viele Probleme, zum Beispiel in der Klimapolitik, bei sozialen Problemen, der Integration und sogar für die neue Wirtschaft. Die wird in der Stadt  gemacht.“ Gleichzeitig sei die internationale, europäische Ebene, „die einzige, auf der wir die großen Herausforderungen in der Welt angehen können. Nur auf dieser Ebene hat unsere Stimme Gewicht.“

„Beide Ebenen müssen miteinander verbunden werden, so dass von unten her Bewegung entstehen kann und wir in den Städten die europäische Ebene einbetten können, in unser Denken und unser Handeln.“

Veranstaltungsort: Das Parlament in Bukarest © European Union / Denis Closon

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