Erster allgemeiner Streik im flämischen Schulwesen seit 18 Jahren

An diesem Mittwoch fand im belgischen Bundesland Flandern nach 18 Jahren noch einmal ein allgemeiner Streik im Bildungswesen statt. Von den Kindergärten bis zu den Hochschulen hatten die Lehrkräfte ihre Arbeit niedergelegt. Auffallend ist hier, dass auch viele Schuldirektoren und Hochschulrektoren zur Teilnahme an dem Streik aufgerufen haben. Das Problem im flämischen Bildungswesen ist die allgemeine Unterfinanzierung. Auch viele Schulen in der Region Brüssel-Hauptstadt beteiligten sich an der Aktion (Foto unten).

Der Streikaufruf von den Kindergärten über die Grundschulen und die Mittelschulen bis hin zum Hochschulwesen erfolgte von allen Gewerkschaften im flämischen Bildungswesen und er wird gut befolgt. Einige Schulen waren ganz geschlossen und in den meisten anderen Instituten wurden die Schüler, die sich am Mittwoch dort einfanden, lediglich beaufsichtigt. Unterricht gab es vielerorts kaum an diesem allgemeinen Streiktag in Flandern.

Die Lehrkräfte auf allen Ebenen fordern von der flämischen Landesregierung schlichtweg mehr Geld, wie Brigitte Vermeersch, eine Kollegin von VRT NWS, die sich auf den Bereich Bildung in der Redaktion konzentriert, erklärt: „Die Gewerkschaften im Bildungswesen wollen der nächsten flämischen Landesregierung mit diesem Streik ein deutliches Signal geben, dass mehr Geld in den Unterricht investiert werden muss. Derzeit haben die Lehrkräfte in ihren Klassen alle Hände voll zu tun.“ 

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„Die Gewerkschaften im Bildungswesen wollen der nächsten flämischen Landesregierung mit diesem Streik ein deutliches Signal geben, dass mehr Geld in den Unterricht investiert werden muss.“

Brigitte Vermeersch, VRT NWS

Nancy Libert von der sozialistischen Unterrichtsgewerkschaft in Flandern unterstreicht die Forderungen: „Die Lehrer und Lehrerinnen haben das Gefühl, dass sie nicht mehr allen Schulkindern die notwendige Aufmerksamkeit zukommen lassen können. Sie haben das Gefühl, dass sie ihren Job nicht mehr gut machen können. (…) Doch auch die Rentenregelungen der Landesregierung liegen dem Lehrkörper schwer im Magen. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, doch eines steht fest: so kann es nicht weitergehen.“

In etwa gleichlautend sind die Ausführungen von Koen Van Kerkhoven von der christlichen Bildungsgewerkschaft. Dieser Streik ist gerechtfertigt, so Van Kerkhoven, weil „Versprechungen in Sachen Pensionsregelungen nicht eingelöst werden, weil der Arbeitsdruck immer mehr zunimmt, weil die Schulen zu wenig Mitspracherecht bei der Modernisierung ihrer Institute haben, weil die Anforderungen bezüglich von Diplomen inzwischen dafür sorgen, dass ein Job im Schulwesen immer unattraktiver wird…“

„Die Lehrer und Lehrerinnen haben das Gefühl, dass sie nicht mehr allen Schulkindern die notwendige Aufmerksamkeit zukommen lassen können. Sie haben das Gefühl, dass sie ihren Job nicht mehr gut machen können.“

Nancy Libert, sozialistische Gewerkschaft

Marnix Hendricks von der liberalen Gewerkschaft denkt in dieser Hinsicht auch an die betroffenen Lehrpersonen individuell: „Der zunehmende Arbeitsdruck und die ständigen Reformen im Bildungswesen führen dazu, dass junge Lehrkräfte abhaken und dass die Älteren nur noch gelassen Dienst nach Vorschrift machen oder sich mit einem Burnout wiederfinden. Das unterstreichen die hohen Zahlen an Krankschreibungen im Schulwesen.“

Die Lehrkräfte stehen vor übervollen Klassen und müssen mit einer immer weniger ausreichenden Infrastruktur fertigwerden. Aus diesem Grunde unterstützen auch die Direktorien diesen Streik, denn die Schulleitungen müssen ihre Institute finanziell am Leben halten. 

Hohe Streikbeteiligung

Am späten Nachmittag, etwa zu der Zeit, zu der "die Schule aus ist", wurde bekannt, dass mindestens 30.000 Personen aus dem Bildungswesen die Arbeit niedergelegt hatten. Das entspricht in etwa 16 % des gesamten Personalbestandes. 

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