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Sechster belgischer Windpark in der Nordsee in Betrieb genommen

Premierminister Charles Michel (MR) hat das erste Windrad des neuen belgischen Offshore-Windparks „Northern“ in Betrieb genommen. Dieser Windpark ist bereits die sechste belgische Anlage ihrer Art. 10 Jahre nach dem ersten in Betrieb genommenen Offshore-Park („C-Power“) sorgen derzeit schon 318 Windräder vor der hiesigen Nordseeküste für Elektrizität. Und es sollen noch mehr werden. Angesichts des für 2025 geplanten Automaustritts lassen die neuen Vorhaben Hoffnung auch in Sachen Klimaschutz keimen, doch die Bemühungen, dieses Thema in der Verfassung zu verankern, haben einen Dämpfer erhalten.

Die sechs belgischen Offshore-Windparks sorgen mit ihrer Leistung für Elektrizität, mit der theoretisch 1.600.000 Haushalte versorgt werden könnten. Mit den 44 Windrädern der neuen „Northern“-Anlage 23 km vor der belgischen Nordseeküste wurde die insgesamt sechste derartige Anlage in Betrieb genommen. Bis 2020 werden weitere drei dieser Hochsee-Windkraftanlagen fertiggestellt.

Die „Belgian Offshore Platform“, der Dachverband der Offshore-Anlagen in der Nordsee, geht davon aus, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre das Produktionsvolumen mehr als verdoppelt werden kann, doch dazu braucht es Garantien der Regierung und bessere politische Rahmenbedingungen, um Investitionen in diese Art der nachhaltigen Energiegewinnung zu investieren, so die Plattform. 

Weltweit bei den führenden Nationen

Gut 1.186 Megawatt Strom liefern die Windkraftanlagen vor der belgischen Nordseeküste. Damit sorgen sie für knapp 5 % des Gesamtverbrauchs in unserem Land. Belgien steht mit diesem Wert weltweit auf dem 5. Rang hinter Großbritannien, Deutschland, China und Dänemark. Alle neun Anlagen, die sechs bestehenden und die drei, an denen gerade gearbeitet wird, befinden sich konzentriert an der östlichen Seite der belgischen Nordseeküste, also vor Zeebrügge und Knokke zwischen 20 und 50 km vor den Stränden.

Doch in den kommenden Jahren kommt auch noch die belgische Westküste hinzu, denn die aktuelle Bundesregierung genehmigte einen weiteren Bereich für den Bau von Offshore-Parks. Geplant sind auch hier Anlagen, die gemeinsam bis zu 1.800 Megawatt Strom liefern können. Damit könnten die beiden größten belgischen Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 ersetzt werden. Aber mit den Anlagen an der Westküste ist der Raum für solche Anlagen in den belgischen Gewässern erschöpft. Mehr Platz gibt es nicht, denn der Rest ist der Schifffahrt vorbehalten, da entlang der belgischen Küste viele internationale Routen verlaufen. 

Klimaschutz? Klimagesetz? Verfassungsänderung? 

Die Erfolge, die Belgien in Sachen Windenergie erreicht, stehen auch im Einklang mit den Bemühungen, den Klimaschutz in den Griff zu bekommen. Inzwischen steigen die Erwartungshaltungen in der belgischen Bevölkerung in dieser Hinsicht. Eine Umfrage im Auftrag der belgischen Klimaschutz-Initiative „Sign for my future“ ergab, dass 52 % der Belgier ein entsprechendes Klimagesetz befürworten. Ein derartiger Gesetzesvorschlag wurde vor einiger Zeit von den beiden belgischen grünen Parteien Groen und Ecolo eingereicht und fand Anklang bei den meisten anderen Parteien im belgischen Bundesparlament. Demnach soll der Klimaschutz im belgischen Grundgesetz verankert werden.

Dem müssen allerdings beide Kammern im Parlament (Erste Kammer und Senat) sowie die Regierung zustimmen. Doch die Regierungspartei MR, die frankophonen Liberalen von Premier Charles Michel, lehnen eine solche Verfassungsänderung ab und zwar aus politischen Gründen. Sie wollen als Mitglied einer derzeit nur geschäftsführenden Bundesregierung keinen Streit zwischen den beiden Sprachgemeinschaften in Belgien provozieren und auch nicht vorbei an einer Parlamentsmehrheit agieren. Neben der MR lehnen auch die flämischen Nationaldemokraten N-VA, die flämischen Christdemokraten CD&V und die flämischen Liberalen Open VLD eine Änderung des Grundgesetzes für ein Klimagesetz ab. 

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