Brüssels neue "Währung": In der Hauptstadt kann man jetzt mit der Zinne bezahlen

Ein Euro ist eine Zinne wert. Diese lokale Währung zirkuliert erstmals seit dem gestrigen Freitag in Brüssel. Das Ziel: Die lokale und verantwortungsbewusste Wirtschaft soll angekurbelt werden.

Mit einer neuen „Brüsseler Lokalwährung“ - die am Freitag eingeführte Zinne – soll der lokale und verantwortungsbewusste Konsum in der Stadt gefördert werden.

"Die Zinne ist eine Alternative zum Euro und kein Ersatz dafür", betonte Sophie Hublot bei einer Pressekonferenz zur Einführung. Eine Zinne ist einen Euro wert. Sie kann an den 22 Wechselschaltern bezogen werden, die auf der Webseite www.zinne.brussels aufgelistet sind. Danach kann sie in einer der 90 Verkaufsstellen der Hauptstadt ausgegeben werden.

Die Zinne sei eine Alternative zur Teufelsspirale einer gewissen wirtschaftlichen Globalisierung, die unaufhörlich die Struktur der lokalen Wirtschaft auflöse, Reichtum monopolisiere, soziale Bindungen überdehne und die Umwelt zerstöre, heißt es auf der Webseite von Zinne Brussels.

Und weiter werden mehrere Ziele der Schaffung dieser Währung auf der Webseite hervorgehoben:

  • Die Stärkung und Verbesserung der kurzen Transportwege durch eine Vernetzung verschiedener Akteure - Produzenten, Händler, Dienstleister und Verbraucher.
  • Die Unterstützung der Entwicklung einer Wirtschaftstätigkeit, die auf dem Territorium und seiner lokalen Gemeinschaft basiert, in die sie ihre Gewinne einbringt und deren Wohlbefinden sie verbessert.
  • Die Unterstützung von Maßnahmen, die die Grenzen des Planeten respektieren und seine Ressourcen nicht ausbeuten und die zur Verbesserung der Ökosysteme beitragen.
  • Eine Stärkung der Beziehungen unter den Bewohnern durch Bürgerbeteiligung, die die Entstehung einer widerstandsfähigeren Gemeinschaft fördert, d.h. eine Gemeinschaft fördert, die in der Lage ist, Momente der Unsicherheit zu überwinden. Damit werde eine glücklichere Gemeinschaft gefördert.

Die Scheine werden auf Wasserzeichenpapier mit Hologrammen gedruckt, um Fälschungen zu vermeiden. Sie werden in Werten bis zu 20 Zinne gedruckt.

Die lokale Gemeinschaft soll also unterstützt werden, indem der Konsum auf unabhängige und sozial/ökologisch verantwortliche Unternehmen vor Ort ausgerichtet wird. Zum Zeitpunkt der Einführung hatten rund 90 Unternehmen in Brüssel das Projekt unterzeichnet, darunter die Brasserie de la Senne.

Vermeidung des Flops „Eco-Iris“

Ähnliche lokale Währungen gibt es bereits in Namur, Lüttich und Gembloux. In Brüssel wurde 2012 in zwei Brüsseler Stadtteilen bereits mit einer alternativen Währung, dem „Eco-Iris“, experimentiert, der aber ein Jahr später wieder eingestellt wurde. Er entpuppte sich als Flop.

Mit der Zinne soll ein ähnlicher Misserfolg vermieden werden, indem Händlern ermöglicht wird, die Zinne in Euro zurückzutauschen. Privatpersonen haben hingegen nicht diese Option.

Eine Liste der Orte, die die Zine akzeptieren, finden Sie hier

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