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Künstliche Intelligenz zur Unterstützung von Lehrern und Schülern in Flandern

Ab dem nächsten Jahr können Lehrer des flämischen Unterrichtswesens (GO!) erstmals künstliche Intelligenz (KI) in ihren Klassen und im Unterricht einsetzen. Das GO! hat hierfür einen Vertrag mit dem britischen Start-up Century Tech unterzeichnet. Zum ersten Mal wird die KI in so großem Umfang in einem Bildungsnetzwerk eingeführt.

"Differenzieren", ein auf jeden Schüler zugeschnittenes Lernmaterial anbieten: Jeder Lehrer träumt wohl davon, denn das wäre ideal, ist aber keineswegs einfach. Schon bald könnte jedoch intelligente, selbstlernende Technologie, auch bekannt als KI, helfen. Davon ist jedenfalls das junge britische Unternehmen Century Tech überzeugt und hat auch GO! für diesen Vorstoß gewonnen.

So darf Century Tech in den nächsten fünf Jahren seine KI-Technologie über das digitale Lernsystem "IXZO" in den rund 430 Grundschulen und über 230 Sekundarschulen des GO! einführen. Die ersten 30 Schulen werden bereits im September mit dem Projekt beginnen, danach wird das System in den nächsten fünf Jahren langsam, aber auf jeden Fall auch auf die restlichen GO!-Schulen übertragen.

Konkret können die Schüler über die Software einen Teil des Lernstoffes - "Mikrounterrichtsstunden", wie Century Tech dies nennt - üben und testen. Die künstliche Intelligenz liegt darin, dass sich die Technologie selbst lehrt, in welchem Bereich der Schüler gut und weniger gut ist und wie er sich in den Übungen verhält, erklärt Alex Blackburn von Century Tech. "Das Programm passt sich ständig an, um die Unterstützung oder Herausforderung zu liefern, die jeder Schüler braucht. Die Lehrer können dies live sehen und so gezielt handeln."

Frederik Cornillie, der das Forschungsprogramm imec Smart Education der ITEC-Forschungsgruppe der KU Leuven und imec mitgestaltet hat, ist von der Ankündigung begeistert. "Plattformen und digitale Lernsysteme wie Bingel oder Smartschool sind in vielen Schulen bereits gut etabliert. Auch in diesen Systemen können die Lehrer Übungen vorbereiten. Doch dahinter steckt nicht viel künstliche Intelligenz." Cornillie fährt fort, dass er eine solch breite Einführung eines Systems mit KI in einem Bildungsnetzwerk bislang noch nicht kenne.

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Abschied vom Lehrer?

Bedeutet das künftig den Abschied vom Lehrer? Auf keinen Fall sagen GO! und Century Tech. Die Technologie soll natürlich keine Lehrer ersetzen. Das Programm soll eine zusätzliche Hilfe für den Lehrer im Klassenzimmer sein, in der jeder Schüler seine eigenen Bedürfnisse hat.

"Ein maßgeschneidertes Lernprogramm für jeden Schüler erfordert einen enormen Aufwand für die Schulteams, die bereits heute unter einer großen Arbeitsbelastung leiden", so Raymonda Verdijck, Geschäftsführerin von GO!. "Ein leistungsstarkes digitales Werkzeug kann beide Ziele miteinander in Einklang bringen: Es ermöglicht gemeinsames personalisiertes Lernen und reduziert gleichzeitig den Planungsaufwand für Lehrer."

Und das ist etwas, worauf auch Cornillie besteht. "Die KI ist nur eine Komponente im Unterricht der Zukunft. Aber sie kann die Arbeit der Lehrer entlasten. Solche Systeme geben den Lehrern zudem mehr Zeit, um an komplexeren Kompetenzen zu arbeiten."

Cornillie glaubt nicht, dass KI jemals dazu verwendet werde, Lehrer zu ersetzen oder Lehrermangel auszugleichen. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, wie Technologie die Menschen stärken kann. Ich glaube nicht an Technologie, die uns alles aus der Hand nimmt."

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