Flanderns Autofahrerverband will die Rechtsvorfahrt abschaffen

Der Flämische Autofahrerverband VAB will die Rechtsvorfahrt aus den Verkehrsregeln entfernen, zumindest dort, wo es im Straßenverkehr möglich ist. Entgegen ihrem Sinn und Zweck würde diese Verkehrsregel für Verwirrung sorgen und dabei fehlerhafte Reaktionen auslösen, die letztendlich zu Unfällen führen würden, so das Argument. 

Die Rechtsvorfahrt gilt gemeinhin als eine der wichtigsten und bekanntesten Verkehrsregeln und dies nicht nur in Belgien. Doch sie ist bei vielen Autofahrern umstritten und auch aus diesem Grunde fordert der VAB die Abschaffung dieser Regel, zumindest dort, wo es möglich ist.

Als Beispiel nennt VAB-Sprecher Maarten Matienko die Gemeinde Glabbeek in der Provinz Flämisch-Brabant. Hier wurde die Rechtsvorfahrt Ende 2017 überall aufgehoben und diese Maßnahme hätte dazu geführt, dass dort die Unfallzahlen spektakulär gesunken seien. In der Gemeinde selbst hieß es dazu, dass an Vorfahrtsbereichen die Zahl der Unfälle innerhalb eines Jahres von 18 auf 3 gesunken sei. 

Wenn Fahrer also nicht aufmerksam sind, was oft vorkommt, wenn sie mit ihrem Smartphone hantieren, weiß man nicht, wer Vorfahrt hat und wer nicht.“

VAB-Sprecher Maarten Matienko

Matienko sagt dazu, dass man die Rechtsvorfahrt nur noch sehr selektiv anwenden sollte: „Damit die Autofahrer an einer Kreuzung keine Zweifel mehr darüber haben sollen, wer Vorfahrt hat und wer nicht.“ Jährlich, so der VAB-Sprecher, komme es zu rund 15.000 Unfällen, nach denen die Rechtsvorfahrt missachtet wurde:

„Oft verstehen die Leute nicht, dass sie Vorfahrt gewähren müssen, was für Unklarheiten sorgt. In den meisten Situationen ist die Vorfahrtregel sogar nicht angegeben. Wenn Fahrer also nicht aufmerksam sind, was oft vorkommt, wenn sie mit ihrem Smartphone hantieren, weiß man nicht, wer Vorfahrt hat und wer nicht.“ Dass der VAB-Sprecher damit argumentiert, dass Autofahrer ihrem Smartphone am Steuer mehr Aufmerksamkeit widmen dürfen, als den Verkehrsregeln, ist in diesem Zusammenhang zumindest fraglich. 

Diese Basisregel bleibt, doch es ist den regionalen Verkehrsbehörden vorbehalten, mit ihrer Beschilderung auf Landstraßen und im lokalen Verkehr dort einzugreifen, wo sie es für opportun halten.“

Belgiens Verkehrsminister François Bellot

Beim belgischen Institut für Verkehrssicherheit VIAS hat man für den Vorstoß des flämischen VAB kein Verständnis. Dort hieß es in einer Reaktion, dass die Rechtsvorfahrt eine Basis-Verkehrsregel bleiben muss: „Man kann diese Regel nicht abschaffen. Man kann zwar von Kreuzung zu Kreuzung nachgehen, welche Beschilderung die beste sein kann, doch nicht jedes Dorf ist eine ländliche Ortschaft mit nur einer Hauptstraße. In manchen Wohnvierteln ist jede Straße wichtig. Dann braucht man die Deutlichkeit einer Basis-Verkehrsregel.“

Ähnlich aber wesentlich zurückhaltender äußerte sich Belgiens Verkehrsminister François Bellot (MR) dazu: „In der neuen Straßenverkehrsordnung, die derzeit vom Staatsrat begutachtet wird, ist keine Rede von einer Abschaffung der Rechtsvorfahrt. Diese Basisregel bleibt, doch es ist den regionalen Verkehrsbehörden vorbehalten, mit ihrer Beschilderung auf Landstraßen und im lokalen Verkehr dort einzugreifen, wo sie es für opportun halten.“