Randstad: "Belgiens Arbeitsmarkt hat sich festgefahren"

Der Arbeitsmarkt in Belgien ist zu schwerfällig. Dieser Ansicht ist Jan Denys von der Arbeitsvermittlungsagentur Randstad. In einem eigenen Rapport beklagt Randstad, dass der Arbeitsmarkt auf der Stelle tritt, z.B. bei der Dauer der Berufslaufbahnen und in Sachen Produktivität. Dies sei auch der Grund, warum unser Land im europäischen Vergleich nicht besser oder schlechter da stehe, als andere EU-Länder, wie z.B. die Nachbarländer Deutschland, Niederlande oder Frankreich meldet die Tageszeitung De Morgen nach Einsicht in den Randstad-Rapport dazu.

Der Arbeitsmarktexperte von Randstad kritisiert z.B., dass es sich für viele Arbeitslose noch stets nicht lohne, einen Job anzunehmen. Laut Denys ist der finanzielle Unterschied zwischen Arbeitslosigkeit und einem Job im Bereich Mindestlohn zu gering. Auch deshalb plädiert der Randstad-Arbeitsmarktexperte dafür, die Arbeitslosenunterstützung zu begrenzen. Zudem dauere eine berufliche Laufbahn in Belgien nicht lange genug. Die Arbeitnehmer könnten nach wie vor zu früh aus ihrem Arbeitsverhältnis ausscheiden, um in Rente zu gehen. Das sei in den meisten westlichen EU-Ländern etwas anderes.

Positiv, so Denys, sei die Tatsache, dass die letzten Regierungen die Abgabenlast auf Arbeit deutlich gesenkt haben, um damit nicht zuletzt das Land auch etwas wettbewerbsfähiger zu gestalten, doch „wir bleiben hinter Dänemark das teuerste Land.“ Was auf der einen Seite gewonnen werde, gehe auf der anderen Seite wieder verloren. Damit spricht Denys die Tatsache an, dass die belgische Wirtschaft nicht dauerhaft ihre Produktivität steigern könne. Das wiederum ist möglicherweise ebenfalls auf einen wenig flexiblen Arbeitsmarkt zurückzuführen. Die Zahl der Stellenangebote steigt in Belgien stetig, während die Zahl der Arbeitslosen nicht dementsprechend sinkt.

Regionale Unterschiede

Die Arbeitslosigkeit in Belgien, so der Randstad-Bericht, zeige, dass es hier zu enormen regionalen Unterschieden gekommen ist. Während Flandern hier gute Resultate vorlegen könne, schneiden Brüssel und die Wallonie schlechter ab, als der europäische Durchschnitt. In Sachen Beschäftigungsgrad zeige sich ein ähnliches Bild, so Randstad, doch hier bilde Flandern auch nur eine durchschnittliche Statistik, während sie in Wallonien und in der Hauptstadt-Region wieder deutlich schlechter sei.

Beide Regionen würden in dieser Hinsicht am Ende der EU-Liste stehen. „Wenn Flandern weiter so gut abschneidet, wie jetzt (die Zahlen sind von 2017), dann gehört das Land bald zu den Spitzenregionen in der EU. Dann aber wird die Kluft zwischen Flandern, der Wallonie und Brüssel wieder für politische Probleme zwischen den einzelnen Teilstaaten führen." 

Reaktionen 

Bundesarbeitsminister Kris Peeters (CD&V) und sein flämischer Amtskollege Philippe Muyters (N-VA) nennen den Bericht der Arbeitsvermittlungsagentur Randstad überholt und die Statistiken veraltet. Peeters erinnerte gegenüber VRT NWS daran, dass der Jahresbericht des Arbeitsamtes, der in der vergangenen Woche in Brüssel vorgestellt wurde belegt, dass die Arbeitslosigkeit in Belgien seit 1981 noch nie so niedrig gewesen sei wie jetzt.

Muyters sagte, dass die Tax Shift der Bundesregierung einiges korrigiert habe und auch die Politik in Sachen Aktivierung von Arbeitslosen trage ihre Früchte, „auch wenn die Arbeit hier noch nicht getan ist.“ Flandern will in Zukunft die Arbeitslosenunterstützung in ihrer Höhe zeitlich einschränken.