Armee-Experten zeichnen düstere Zukunft Belgiens

Eine Analyse unseres Sicherheitsumfelds, die im Auftrag der Verteidigungsspitze verfasst wurde, zeichnet ein düsteres Bild dieses Landes. „Belgien ist ein fragmentiertes Land in einer fragmentierten Welt", lautet das Fazit des "Security Environment Review". Der Bericht wurde von internen und externen Armee-Experten verfasst.

Die Experten haben als Ausgangspunkt für ihre Sicherheitsanalyse die Wirtschaftssituation Belgiens genommen. Und die sei verletzlicher denn je, so dass die Sicherheit in diesem Land proportional abnehme. Das habe Belgien besonders abhängig gemacht. Ausländische Unternehmen kontrollierten schon jetzt 47 Prozent des belgischen geistigen Eigentums und 55 Prozent der Fertigungsindustrie hierzulande. Diese Information hat die Zeitung De Morgen.

Ferner werden ganze 76 Prozent unserer Energie in Belgien importiert. Auch in Bezug auf sozialen Kohäsion, Regierungsqualität und wirtschaftliche Stärken schneidet Belgien schwächer ab als vergleichbare Länder wie die Niederlande, Dänemark und Österreich.

"Dies hat erhebliche Konsequenzen für die Sicherheit und Verteidigung. Während die internationale Bedrohung zunimmt, führt die wirtschaftliche Verwundbarkeit zu Frustration, Unruhe und Fragmentierung im eigenen Land", schreiben die Autoren des Berichts und führen "religiösen Extremismus" und "die Gelbwesten-Bewegung" als Symptome an.

Die schwächere wirtschaftliche und politische Position unseres Landes erschwert es Belgien zudem, Entscheidungen in ausländischen Foren wie der EU und der NATO Gewicht zu verleihen. Dem Bericht zufolge werde die Differenz zwischen dem, was wir sagen und tun, zu groß. Der Mangel an Verteidigungsinvestitionen sei ein eklatantes Beispiel hierfür. Belgiens Anteil des europäischen BIP beträgt 2,8 Prozent. Doch Belgiens Anteil bei den Verteidigungsausgaben beträgt nur 1,8 % der gesamten europäischen Verteidigungsausgaben.

Durchschnittsbelgier gibt mehr für Luxusprodukte aus, als er durch Steuern zur Verteidigung seines Landes beiträgt

Ein durchschnittlicher belgischer Bürger gebe heute mehr für Luxusprodukte wie Tierfutter und die Lotterie aus, als er durch Steuern zur Verteidigung seines Landes beitrage, heißt es, "während jeder Euro, der für die Streitkräfte ausgegeben wird, wirtschaftliche Interessen für schätzungsweise 444 Euro schützt."

Die Anschläge von 2016 zeigten dem Bericht zufolge wie verletzlich die kritische Infrastruktur in diesem Land sei. "Neben den Menschenopfern und den Folgen im Bereich der sozialen Polarisierung verursachten die Anschläge einen wirtschaftlichen Schaden von 2,3 Milliarden Euro.

Die größte Bedrohung für die innere Sicherheit sei laut Verteidigungsministerium allerdings der Terrorismus. Doch die Radikalisierung beschränke sich nicht mehr nur auf die Religion allein. "Islamistischer Extremismus und die Terroranschläge haben eine Gegenreaktion der Rechtsbewegungen ausgelöst", klingt es. Radikalismus provoziere Radikalismus.

Ferner erinnert der Bericht daran, dass auch eine Bedrohung von der derzeit unsicheren Zukunft des Nord-Atlantik-Bündnisses wegen der Kursänderung der US sowie von der unsicheren Zukunft des Vereinigten Königreichs und der (durch Euroskepsis verstärkten) Fragilität des europäischen Projekts ausgehe.

Im Bericht werden überdies die globalen Sicherheitsherausforderungen angesprochen, von den durchsetzungsfähigen Großmächten China und Russland bis hin zu den Kriegen im Nahen Osten und dem demographisch explosiven Afrika.

Die Analysten kommen zu dem Schluss: "Belgien ist heute ein fragmentiertes Land in einer fragmentierten Welt.“