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Europa überschüttet Afrika mit Milchpulver, beklagen sich mehrere NGO

Die Überproduktion von europäischer Milch senkt die Preise zum Nachteil der europäischen Milcherzeuger, aber auch zum Nachteil westafrikanischer Landwirte, die mit Milchpulver konkurrieren müssen, das weniger kostet als lokal erzeugte Milch. Magermilchpulver wird wiederum mit Palmöl angereichert. Das sei ökologischer Unsinn, sagen die Nichtregierungsorganisationen SOS Faim, Oxfam und Tierärzte ohne Grenzen.

Die drei belgischen Organisationen bilden zusammen mit europäischen (European Milk Board) und afrikanischen Bauern die Koalition "Meine Milch ist lokal". Sie starten an diesem Dienstag mit einer Kampagne und fordern die Europäische Union auf, mit dem "Export ihrer Probleme" aufzuhören.

"Durch die Abschaffung der Milchquoten, ohne Kriseninstrumente zur Verfügung zu stellen und durch die zunehmende Ausrichtung der Agrarproduktion auf Großausfuhren, räumt die EU den Interessen der Agrarindustrie Vorrang ein. Das geht auf Kosten der europäischen und westafrikanischen Produzenten", bedauern die Initiatoren.

Die Überproduktion führt zu einem Preisverfall, der die europäischen Landwirte daran hindere, ein angemessenes Einkommen zu erzielen und sie von Subventionen abhängig mache. Die europäischen multinationalen Konzerne erhielten billige Milch und verkauften die Überschüsse in Westafrika, meist in Form von Magermilchpulver, das wiederum mit Pflanzenöl, hauptsächlich Palmöl, angereichert sei. Diese "gefälschte Milch" sei 30% billiger als die Milch vor Ort und destabilisiere die westafrikanischen Märkte. Darüber hinaus erhöhe sie die Nachfrage nach Palmöl, dessen Produktion für die Umwelt katastrophal sei und dessen Verbrauch aus Ernährungssicht ungesünder sei, beklagen die Organisationen.

Sie fordern die EU auf, die Exportunterstützung für Milcherzeugnisse für den afrikanischen Markt einzustellen, Regulierungsmechanismen zur Verhinderung von Überproduktion einzuführen und unter anderem ihre Handelsabkommen mit Afrika zu überprüfen.