Jasper Jacobs

Belgiens Rechnungshof: "Weiße Kassen" sind leicht zu manipulieren

Seit Juli 2016 müssen Gastronomieunternehmen in Belgien, die mit dem Verzehr von Mahlzeiten einen Jahresumsatz von über 25.000 € (exkl. Mehrwertsteuer) erzielen, mit sogenannten „weißen Kasse“ arbeiten. Das sind Kassen, die alle Bestellungen und alle Einnahmen sowie alle Lohnkosten und Sozialabgaben registrieren. Dieses System wurde im Kampf gegen Schwarzgeld, Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung im Gastronomiesektor eingeführt. Doch sind diese „weißen Kassen“ bzw. die komplette Registrierung aller Vorgänge leicht zu umgehen, warnt der belgische Rechnungshof. 

Obschon das System der „weißen Kassen“ nach Ansicht des Rechnungshofs technisch gut funktioniert, denn dabei können Manipulationen leicht(er) aufgedeckt werden, bleibt Kritik bestehen. Der Rechnungshof bemängelt, dass das System nicht eindeutig unterscheiden kann, ob in einem Bistrot, einem Restaurant oder einem Café Speisen vor Ort verzehrt wurden oder ob diese zur Mitnahme bestellt wurden, wie die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad dazu in ihrer Wochenendausgabe meldet.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die vollständige Registrierung aller Vorgänge. Zahlt ein Kunde seine Rechnung in bar und verzichtet dabei auf seinen Kassenzettel, dann kann ein Gastronom diese Zahlung auch einfach nicht registrieren.

Der Rechnungshof hat zur Lösung dieses Problems eine Idee vorgelegt und die ist kein verspäteter Aprilscherz. Auf allen Kassenzetteln, die zudem die jeweilige Mehrwertsteuer aufzeigt (die unterscheidet sich zwischen Verzehr vor Ort - 12 % MWS. oder außer Haus - 6 % MWS), sollte ein Code für ein Gewinnspiel auftauchen. 

Können Online-Kontrollen Besserung bringen?

Dieses Gewinnspiel könnte die Kundschaft dazu ermuntern, den Kassenzettel jedes Mal bei der Zahlung einer Rechnung einzufordern. In Portugal und in Kroatien wird offenbar bereits so gearbeitet und dabei können laut Het Nieuwsblad Geldpreise gewonnen werden.

Konkreter wird der Rechnungshof in der Frage der effektiven Kontrollen im Gaststättengewerbe. Kontrollen werden bisher nur stichprobenartig durchgeführt und sind denn auch unvollständig und nicht repräsentativ. Daher schlägt der Rechnungshof vor, den Kontrolleuren aus Steuer-, Finanz- und Gewerbeamt sowie der Sozialinspektion einen Zugriff auf die „weißen Kassen“ online zu ermöglichen. haben sollten. Belgiens scheidender Finanzminister Alexander De Croo (Open VLD) kündigte an, das System der „weißen Kassen“ im Sinne von Verbesserungen prüfen zu lassen.

Der flämische Gastronomieverband Horeca Vlaanderen lässt wissen, dass man die Vorschläge des Rechnungshofs nicht wirklich ernst nehme, zumindest solange nicht, wie nicht alle Gaststättenbetriebe, die Mahlzeiten anbieten, verpflichtet mit „weißen Kassen“ arbeiten müssen. Dabei sind z.B. Catering-Unternehmen oder auch Food Trucks gemeint.