Genozid in Ruanda - Gedenkfeiern in Kigali im Beisein von Belgiens Premier Charles Michel

25 Jahre nach dem Ausbruch des Völkermords in Ruanda und der Ermordung von 10 belgischen Blauhelmsoldaten in Kigali finden dort Gedenkfeiern statt. Dazu reiste Belgiens scheidender Premierminister Charles Michel (MR) bereits am Samstag zu einem zweitätigen Aufenthalt in der ehemaligen belgischen Kolonie. Michel erhielt für diese Gedenkfeiern eine persönliche Einladung von Ruandas Präsident Paul Kagame. In seiner Ansprache in Kigali sagte Michel am Sonntag, dass die internationale Gemeinschaft und damit auch unser Land, versagt haben. 

Nach offiziellen Angaben der Vereinten Nationen kamen beim Völkermord in Ruanda vor 25 Jahren rund 800.000 Menschen ums Leben, doch viele Menschen in der ehemaligen belgischen Kolonie und auch Beobachter in Belgien selbst gehen von bis zu 1,1 Millionen Opfern dieses Genozids aus. 

Unter den Toten waren auch 22 belgische Staatsbürger, von denen 10 belgische Blauhelmsoldaten aus einer Fallschirmjägertruppe waren.

Die zentrale Gedenkfeier in Kigali findet am „Gisozi Memorial Center“ auf einem der Hügel in der Nähe der ruandischen Hauptstadt statt. Hier sind die sterblichen Überreste von rund 250.000 der Opfer von damals beerdigt worden.

Diese Zeremonie ist der Beginn einer offiziellen Trauerperiode, die 100 Tage lang dauern wird. Diese 100 Tage sind symbolisch, denn solange hatte das Morden gedauert. Alles begann mit dem Abschuss des Flugzeugs der damaligen Präsidenten von Ruanda und Burundi, Juvénal Habyarimana und Cyprien Ntaryamira, am 7. April 1994. 

Die Ermordung der belgischen Paras

Am Montag findet im Belgian Memorial Center von Kamp Kigali eine Gedenkzeremonie für die damals ermordeten 10 belgischen Blauhelmsoldaten statt. Diese hatten den Auftrag, die damalige Premierministerin von Ruanda, Agathe Umwilingiyiamana - eine sogenannte „gemäßigte Hutu“, zu beschützen. Doch sie wurden in einen Hinterhalt gelockt und erschossen.

Aus diesem Grunde zog Belgien damals trotz des bereits im Gang befindlichen Völkermords seine Soldaten nach der Evakuierung aller Belgier, die sich in Ruanda befanden und die in akuter Gefahr waren (Belgien wurde damals für den Mord an Habyarimana als mitverantwortlich erachtet) aus dem Land abzuziehen. Kritiker sind bis heute der Ansicht, dass Belgien damit damals Schuld auf sich geladen habe, da eine starke militärische unseres Landes einiges hätte verhindern können.

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In Begleitung Premier Michels befinden sich auch einige Angehörige der belgischen Opfer von damals und eine Delegation der belgischen Militärführung unter Armeechef Marc Compernol. 

„Unser Land, das Los unseres Landes, ist eng mit diesem Drama und dieser Tragödie verbunden.

Premierminister Charles Michel in Kigali

Bei einem Empfang in der belgischen Botschaft in der ruandischen Hauptstadt Kigali sagte Premier Michel: „Unser Land, das Los unseres Landes, ist eng mit diesem Drama und dieser Tragödie verbunden. Hier anwesend zu sein, im Beisein von Vertretern der Familien derer, die damals direkt davon betroffen waren, ist eine Möglichkeit, ihnen unsere Anteilnahme und unsere Unterstützung zu bezeugen. Ich fühle die Emotionen derer, die vor 25 Jahren direkt von diesem Drama betroffen waren, sehr gut. Im Namen Belgiens hier zu sein, ist eine Pflicht, um dem zu gedenken, was damals stattgefunden hat. Das ist eine Notwendigkeit.“ 

Gespräche zwischen Michel und Kagame

Premier Michel wird am Montag auch Gespräche mit Ruandas Präsident Paul Kagame führen. Diese Gespräche werden auch die bilateralen Verbindungen beider Länder betreffen, die Botschafter Benoît Ryelandt derzeit „exzellent“ nennt. Das war nicht immer der Fall, den vor allem zu den Zeiten, zu denen sich Ruanda in den Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo, ebenfalls eine frühere belgische Kolonie, einmischte, kam es des Öfteren zu diplomatischen Streitigkeiten zwischen Brüssel und Kigali. 

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„Ich verbeuge mich im Namen meines Landes vor allen Opfern und deren Angehörigen. (…) Ja, wir müssen den Mut haben zu sagen, dass dieser Völkermord das Versagen der internationalen Gemeinschaft ist, die ihn nicht verhindern oder vermeiden konnte. Die diese Tat gegen die Menschlichkeit auch nicht beenden konnte.“

Premier Charles Michel in Kigali

In seiner Ansprache bei der Gedenkzeremonie in Kigali sagte der belgische Premierminister (Foto), dass auch Belgien seine Verantwortung für das Drama vor 25 Jahren zu tragen habe: „Ich verbeuge mich im Namen meines Landes vor allen Opfern und deren Angehörigen. Ich verbeuge mich mit tiefem Respekt und mit allen möglichen Worten für Unterstützung und Stärke. Ja, wir müssen den Mut haben zu sagen, dass dieser Völkermord das Versagen der internationalen Gemeinschaft ist, die ihn nicht verhindern oder vermeiden konnte. Die diese Tat gegen die Menschlichkeit auch nicht beenden konnte. Für Sie will ich denn auch im Namen eines Landes die Verantwortung für das, was in der Geschichte geschehen ist, übernehmen, in dem ich ihnen direkt in die Augen schaue.“ 

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