Justizminister Geens reagiert auf saudi-arabischen Prediger in der „Großen Moschee“ von Brüssel

„Ein Anfängerfehler“, so bewertet Belgiens christdemokratischen Justizminister Koen Geens die Kontroverse um eine Predigt eines Imams während des Freitagsgebets in der Großen Moschee in Brüssel. Der Imam sprach weder Niederländisch noch Französisch, und nach Angaben des Antwerpener Imams Nordine Taouil wird er von Saudi-Arabien finanziert. Doch will Justizminister Geens weiter mit der Moslemexekutive zusammenarbeiten, die die Trägerschaft der „Großen Moschee“ übernommen hat.

Trotz einer Veränderung in der Trägerschaft sorgt die "Große Moschee" in Brüssel weiter für Diskussionsstoff. Seit Anfang des Monats wird das Gebetshaus zwar von der sogenannten Moslemexekutive verwaltet, die die muslimische Gemeinschaft in Belgien repräsentiert. Anscheinend predigt in der Moschee aber nach wie vor ein Imam, der weder Französisch, noch Niederländisch spricht und der in Saudi-Arabien ausgebildet wurde.

Die „Große Moschee“ galt lange Zeit als Speerspitze Saudi-Arabiens in Belgien. Die Moschee war im Besitz des Landes. Entsprechend vertraten die Imame, die dort predigten, im Wesentlichen den reaktionären Wahabismus, eine sehr fundamentalistische, salafistische Auslegung des Islam. Nach den Anschlägen vom 22. März 2016 war die Große Moschee ins Zwielicht geraten. Es stand der Vorwurf im Raum, dass das Gotteshaus eine Rolle gespielt habe bei der Radikalisierung einiger Schlüsselfiguren dieser Anschläge.

Der Druck war am Ende so groß geworden, dass Saudi-Arabien Abstand genommen hat. Seit Anfang April ist nun die Moslemexekutive für die Große Moschee verantwortlich. In der Praxis habe sich aber nichts verändert, kritisierten einige Imame. Der Imam, der dort predige, spreche weder Französisch, noch Niederländisch und sei ausgebildet worden an einer salafistischen Universität in Saudi-Arabien, erklärte Nordine Taouil, Imam in Antwerpen, in der Presse.

Anfängerfehler?

„Die Moslemexekutive hat vier Imame für das Freitagsgebet ernannt“, reagierte Justizminister Geens im Morgenmagazin des VRT-Rundfunks. „Aber am Freitag hat dort tatsächlich jemand gepredigt, der nicht in der Lage ist, Französisch und Niederländisch zu sprechen. Er wurde simultan übersetzt und predigte über Frieden und Toleranz. Das muss das letzte Mal gewesen sein. Dies ist ein Anfängerfehler in der Übergangsphase.“

Minister Geens erklärte, dass die Große Moschee nur zwischenzeitlich von der Moslemexekutive verwaltet werde und bald einem Verein übertragen werden solle. Er hoffe, dass die Große Moschee dann neue Wege einschlagen werde.

Andererseits will der Minister die Zusammenarbeit mit der Moslemexekutive fortsetzen. „Wir haben keine Alternative", sagte Geens. "Wir müssen der türkischen und marokkanischen Gemeinschaft dort eine intensive Zusammenarbeit ermöglichen. Das ist keine leichte Aufgabe. Dennoch wage ich zu behaupten, dass wir in den letzten viereinhalb Jahren intensive Fortschritte gemacht haben.“

Geens warnt auch davor, dass die Organisation des Antwerpener Imams - der die fragliche Predigt kritisierte - die „Große Moschee“ auch selbst betreiben möchte. "Ich möchte feststellen, dass es innerhalb der muslimischen Gemeinschaft einen gesunden Wettbewerb darüber gibt, wer die Große Moschee leiten darf", sagt der Minister. "Ich denke, wir sollten dort nach dem Grund suchen, warum dies in der Presse so problematisch dargestellt wurde.“

BELGA