Belgische Nationalbank: "Die Auswirkungen des Brexit sind nicht katastrophal"

Die belgische Wirtschaft wird die Auswirkungen des Brexit, gleich wie er ausfallen sollte, auch langfristig spüren, doch die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union werden in den Augen eines Analysten der Belgischen Nationalbank (BNB) nicht zu einer Katastrophe führen, auch nicht im Falle eines harten Brexit. Regional fällt dies allerdings unterschiedlich aus, wie spezifische Zahlen der flämischen Landesregierung belegen. 

Nach Ansicht von Patrick Bisciari, Wirtschaftswissenschaftler und Analyst bei der Nationalbank, fällt der Brexit, auch ein Brexit ohne Abkommen mit der EU, nicht ganz so drastisch für die belgische Wirtschaft aus, wie bisher angenommen. Bisciari veröffentlichte jetzt eine Übersicht der wichtigsten Impakt-Studien, die bisher dazu erschienen sind – von der London School of Economics über den Internationalen Währungsfonds (IWF) bis hin zur Universität Löwen (KU Leuven).

Die Resultate dieser Analyse legte der BNB-Analyst jetzt dem EU-Parlament vor. Er tat dies auf Einladung des belgischen EU-Abgeordneten Philippe Lamberts von den frankophonen Grünen Ecolo, wie die flämische Tageszeitung De Morgen meldet.

Auch wenn Bisciari zu dem Schluss kommt, dass Belgien vor Irland und Luxemburg zu den schwersten von einem harten Brexit getroffenen EU-Ländern gehört, kommt unser Land noch glimpflich davon. Der Einfluss auf das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) in Belgien, der laut IWF bei 0,9 % liegen könnte, ist laut Bisciari nicht wesentlich höher als der Durchschnittswert in der gesamten Union und stellt für ihn keine Katastrophe dar. Der große Verlierer ist laut BNB aber Großbritannien selbst.

Das einzige, was Belgien treffen könnte, wären falsche Entscheidungen durch die derzeit auch durch die entscheidungslose Haltung der Briten selbst entstandene Unsicherheit, so der BNB-Analyst. 

Flandern schwerer getroffen?

Das belgische Bundesland Flandern würde durch den Brexit schwerer getroffen, als der Rest des Landes. Die befürchtet Flanderns scheidender Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA). Aus einer Berechnung in seinem Auftrag ist ersichtlich, dass ein Austritt der Briten aus der EU die flämischen Unternehmen rund 800 Mio. € pro Jahr kosten würde. Vor allem die Automobil-Industrie sei davon betroffen, so diese Studie. Großbritannien ist Flanderns drittgrößter Exportmarkt.

Flandern exportiert jährlich Waren und Güter in einem Volumen von rund 27 Mia. € auf die britischen Inseln. Rund 30 % dieser Produkte (Fleisch, Schuhe, Unterwäsche und Autos) fallen unter Waren, auf die die Briten nach dem Brexit Importabgaben erheben. Das entspricht laut der Bourgeois-Studie die oben genannte Summe von 800 Mio. €.

88 % davon würden alleine auf den Automobilsektor entfallen und der Rest auf die Sektoren Landwirtschaft, Lebensmittel- und Bekleidungsindustrie. Demnach sind die Brexit-Folgen für diese spezifischen flämischen Sektoren ungleich höher und bringen konkret auch Arbeitsplätze in Gefahr. Hier ist die Rede von bis zu 28.000 potentiell gefährdeten Jobs.

Erik-Jan Ouwerkerk

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