Unternehmerchef Timmermans zur Regierung Michel und zur Flexibilität am Arbeitsmarkt

Der Geschäftsführer des belgischen Unternehmerverbandes VBO, Pieter Timmermans (Foto) stellt der scheidenden Bundesregierung von Premier Michel (MR) ein gutes Zeugnis aus. Im Rahmen einiger Zeitungsinterviews plädiert der Boss der Bosse aber für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und für eine Aufweichung der Regelung zur Nachtarbeit.

VBO-Geschäftsführer Timmermans ist wohl einer der wenigen Zeitgenossen in Belgien, die der Mitte-Rechts-Regierung Michel ein eher gutes Zeugnis ausstellt. Er ist z.B. in einem Gespräch mit der frankophonen Tageszeitung Le Soir der Ansicht, dass sich die hiesige Wirtschaft unter dieser Regierung nach oben entwickelt habe. Vor der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode habe die belgische Wirtschaft im internationalen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit verloren, doch dies habe die Regierung Michel I. wieder wettgemacht.

Timmermans sieht sich dabei in sinkenden Arbeitslosenzahlen, in einem höheren Beschäftigungsgrad und in mehr Kaufkraft bei den Verbrauchern (auch wenn die Gewerkschaften und die linken Parteien dies anders sehen (A.d.R.)) bestätigt. All dies unterstreiche auch eine allgemein verbesserte Konjunktur. Ähnlich sehen dies laut Le Soir auch die belgische Nationalbank, die Löwener Universität (KU Leuven) und die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Ausgeglichener Haushalt?

VBO-CEO Timmermans sprach auch über den Haushalt und bemängelt, dass es der Politik immer noch nicht gelungen ist, zumindest für eine „schwarze Null“ zu sorgen. Die Regierung Michel habe zwar das Defizit von rund 3 % auf rund 1 % senken können, doch es sei mehr drin gewesen. Damit habe die Mitte-Rechts-Regierung ein selbst gestecktes Ziel verfehlt, so Pieter Timmermans in Le Soir. 

Es ruht ein gewerkschaftliches Veto auf der Nachtarbeit“

Arbeitgeberpräsident Pieter Timmermans

Die Redaktion der flämischen Tageszeitung De Morgen stellte Pieter Timmermans Fragen zum Thema flexiblere Arbeitszeiten, denn offenbar bleiben die Nacht- und die Wochenendarbeit hier eine Art „heilige Kuh“, von der der Unternehmerpräsident nicht viel hält. Während das Nachbarland, die Niederlande, ein „Meister der Flexarbeit“ sei und selbst in Deutschland die Geschäfte am Samstagnachmittag inzwischen geöffnet haben, hinke Belgien in solchen Fragen im EU-Durchschnitt deutlich hinterher, so Timmermans: „Unsere Ausdrucksweise und unsere Gesetzgebung sind festgerostet und stehen auf dem Stand von Arbeitsregelungen aus den 1950er und 1960er Jahren: Arbeitsverträge auf unbestimmte Zeit, nine to five und von Montag bis Freitag. Das ist uns als das „Normale“ eingeimpft, doch inzwischen sind wir auf dem Weg hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft.“ 

Arbeitgeber müssen heute wendiger sein“

Arbeitgeberpräsident Pieter Timmermans

Für die Arbeitgeber sei es inzwischen unabdingbar geworden, wendig zu sein, doch schon mit der Tatsache, dass der Sonntag als Ruhetag gelte, werde darauf von Arbeitgeberseite einfach nicht oder nur unzureichend reagiert. Das spüre vor allem der Online-Handel, so Timmermans: „Etwas mehr als die Hälfte der Online-Einkäufe geschieht im Ausland. Die Kaufkraft, die man hier generiert, fließt also ab, weil die sich meisten hiesigen E-Commerce-Unternehmen auf der anderen Seite der Grenze niedergelassen haben. Unsere Nachbarländer haben sich an diese neue Realität aber angepasst.“

Timmermans führt dabei ein Beispiel an: „Laut Arbeitsgesetz beginnt die Nacht in den Niederlanden um 24 Uhr, während sie in Belgien um 20 Uhr anfängt.“ Das führe auch dazu, dass man hierzulande immer mehr Lieferwagen aus den Niederlanden sehe, die im Ausland elektronisch erworbene Waren ausliefern. Problem hierbei sei die veraltete Ansicht der Gewerkschaften, die quasi jedem Unternehmen, das auf Nachtarbeit setzen will, zustimmen müssen, doch diese würden dabei immer wieder ein Veto einlegen: „Das endet damit, dass die Verträge ins Ausland gehen. Das ist doch gegen jede Logik! Wir wissen, dass man durch eine Flexibilisierung vor allem schlecht ausgebildete Arbeitsuchende einstellen kann, Menschen, die heute vielleicht mit Armut zu kämpfen haben. (…) Die Gewerkschaften sollten hier eine positivere Rolle einnehmen, statt a priori ihr Veto zu setzen.“

Timmermans sagte dazu, dass die Arbeitgeber keine Extreme, wie Null-Euro-Verträge oder ausgebeutete Billigarbeiter aus Osteuropa, fordern würden, sondern zuerst einmal die Möglichkeit, so etwas ausprobieren zu können: „Es ist doch nicht so, dass unsere hier führenden Nachbarländer Sklaven beschäftigen, sondern sie sorgen für viele Jobs.“