Kiebitz Foto Glenn Vermeersch

Langzeitstudie: Dramatischer Rückgang bei den Weide- und Ackervögeln in Flandern

Nach den Ergebnissen einer 12 Jahre dauernden Langzeitstudie des Instituts für Natur- und Waldforschung (INBO) und von Natuurpunt (Naturpunkt) haben sich die Bestände an Weide- und Ackervögeln im belgischen Bundesland Flandern in diesem Zeitraum drastisch verringert. 

In den vergangenen 12 Jahren haben sich laut der Studie die Bestände an Kiebitzen (Foto oben) und Rebhühnern glatt halbiert. Jedes Jahr seien die Bestände merklich zurückgegangen, so die Naturforscher. „Die Situation ist echt dramatisch“, sagte Glenn Vermeersch vom INBO, der an dieser Studie mitwirkte dazu: „Der Rückgang bei den Brutvögeln ist schon lange im Gang, doch was wir in den letzten 12 Jahren festgestellt haben ist, dass es uns offenbar nicht gelingt, diesen Trend umzubiegen.“

Verursacher dieser negativen Spirale ist die Landwirtschaft, so Vermeersch: „Die Landwirtschaft wird stets umfassender und intensiver, wodurch Vögel seltener Möglichkeiten finden, um Nester zu bauen und um Futter zu finden. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Vogelarten, die auf Wiesen und Weiden brüten, am schnellsten verschwinden. Vögel, die im Wald leben und brüten, halten besser durch.“ 

Die Landwirtschaft wird stets umfassender und intensiver, wodurch Vögel seltener Möglichkeiten finden, um Nester zu bauen und um Futter zu finden.“

Glenn Vermeersch, Institut für Natur- und Waldforschung (INBO)

Nicht nur bei uns in Flandern geraten die Brutvögel unter Druck. Diese Entwicklung ist in ganz Europa festzustellen, so das INBO. Glenn Vermeersch erwartet denn auch von der Europäischen Union, dass diese bei der Suche nach Lösungen hilft. Die EU könnte z.B. eine strengere Agrarpolitik führen, die Rechnung mit dem Schutz von Flora und Fauna, sprich auch mit der Vogelwelt trage, so der Naturforscher.

Ein Beispiel für einen Vogel, der immer seltener wird, ist die Lerche, insbesondere die Feldlerche (Foto unten). Dieser Vogel lebt, wie sein Name bereits andeutet, auf Wiesen, Weiden und Feldern. Dort fällt er (eigentlich) durch seinen schönen Gesang auf. Doch diesen Gesang vernimmt man z.B. in Flandern nur noch selten. Wurden hier 1970 noch 75.000 Brutpaare gezählt, ging die Zahl in den 1980er Jahren deutlich auf 45.000 Paare zurück. Im vergangenen Jahr brüteten nach Schätzungen nur noch 6.000 bis 8.000 Lerchenpaare ihre Eier in Flandern aus. Und diese Vögel kommen heute auch nur noch in Naturschutzgebieten vor. In der „freien Natur“ sind sie bereits verschwunden… 

Feldlerche Foto Glenn Vermeersch

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