Jede vierte Polizistin in Belgien von männlichen Kollegen belästigt

Etwa jede vierte Polizistin, die bei der belgischen Bundespolizei im Dienst ist, gibt an, schon mal von männlichen Kollegen am Arbeitsplatz belästigt worden zu sein. Dabei handelt es sich nach einem Bericht der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws in vielen Fällen auch um sexuell grenzüberschreitende Handlungen. 

Das Blatt beruft sich dabei auf eine Umfrage zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz innerhalb der belgischen Bundespolizei. Aus dieser Umfrage wird auch deutlich, dass sich nicht wenige Polizistinnen aus diesem Grunde die Frage stellen, ob sie weiterhin Interesse an einer Laufbahn bei der Polizei haben.

Insgesamt 4.846 Beamtinnen und Beamten bei der Bundespolizei haben die Umfrage ausgefüllt. Die Ergebnisse wurden von einer 26köpfigen Kommission ausgewertet. Einige auffallende Resultate: 27 % der Beamten (beider Geschlechter) denken manchmal daran, ihren Job bei der Polizei an den Nagel zu hängen. 19 % der Befragten denken öfter an diesen Schritt und sogar 9 % wollen diesen Schritt konkret setzen.

Etwa 20 % der Bundespolizisten geben an, dass ihre Vorgesetzten mit psychologischen oder psychischen Risiken am Arbeitsplatz niemals Rechnung tragen. Ein Viertel der Polizistinnen und Polizisten stellen fest, dass solche Fragen nur selten im Raum stehen.

Nicht zuletzt geben 26 % aller Bundespolizistinnen an, bereits Opfer von „grenzüberschreitendem Verhalten“ seitens ihrer männlichen Kollegen am Arbeitsplatz gewesen zu sein. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sei auch und gerade ein Problem bei der Polizei, so eine Sprecherin der Bundespolizei und dieser Bereich sei eigentlich ein Tabuthema, denn nur in seltenen Fällen würden solche Belästigungen auch angezeigt.

„Wir werden die Resultate dieser Umfrage mit Sicherheit nicht minimalisieren. 

Bundesinnenminister Pieter De Crem (CD&V)

Bei der Führung der belgischen Bundespolizei heißt es weiter dazu, dass man von der Höhe der Zahl solcher Vorfälle überrascht sei und dass man die Ergebnisse dieser Erhebung sehr ernst nehme. Dass die Arbeit der Beamten und Beamtinnen bei der Bundespolizei in den letzten Jahren schwerer geworden sei, wird dabei eingeräumt. Gründe seien hier u.a. die zahlreichen Reformen bei der Polizei, Änderungen bei Statuten und Rängen im Korps, ein erhöhtes Sicherheitsrisiko und nicht zuletzt die Terroranschläge im März 2016.

Die Polizei selbst plädiert für mehr Stabilität, für eine bessere Begleitung der Rekrutierungsverfahren, für einen fallbezogenen Umgang mit dem Finanzhaushalt und fordert vom belgischen Staat auch mehr Geld, um Lösungen für den akuten Personalmangel bei der Bundespolizei finden zu können.

Bundesinnenminister Pieter De Crem (CD&V) will sich weiter dafür einsetzen, dass die wunden Punkte bei der Bundespolizei abgearbeitet werden und er will die Vorfälle von Belästigungen von weiblichen Polizisten genauer unter die Lupe nehmen: „Wir werden die Resultate dieser Umfrage mit Sicherheit nicht minimalisieren. Wir müssen und jetzt anschauen, wie wir diese Zahlen interpretieren und um welche Art von Belästigungen es sich spezifisch handelt.“ Man müsse dafür sorgen, dass dieses Thema am Arbeitsplatz selbst angesprochen wird, so De Crem.

Nicht wirklich überrascht...

Die Polizeigewerkschaften zeigten sich von den Ergebnissen der Umfrage zum Wohlbefinden bei der Bundespolizei nicht wirklich überrascht und stellen einmal mehr fest, dass die Polizei an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt sei. Dies ging einher mit der wiederholten Forderung nach mehr Budget und nach einem besseren Umgang mit den notwendigen Investitionen.