Verhofstadt zum Brexit-Aufschub: „Das EU-Parlament wird zum Taubenschlag“

Belgiens Ex-Premier Guy Verhofstadt (Open VLD/Alde - Foto), der die Verhandlungen zum Austritt im Auftrag des Europaparlaments begleitet, befürchtet, dass der neuerliche Brexit-Aufschub den Briten den Druck wegnimmt, selbst zu einer Brexit-Einigung zu kommen. Dass Großbritannien vielleicht sogar noch EU-Wahlen organisieren muss, hält der flämische Liberale eigentlich für ein Unding. 

„Die Gefahr droht, dass das EU-Parlament zu einem echten Taubenschlag wird. Zuerst werden Briten hinzukommen. Die werden dann Ende Oktober wieder gehen und müssen von etwas mehr als 20 neuen Parlamentsabgeordneten aus anderen Mitgliedsstaaten ersetzt werden. Ich glaube, dass dies absolut keine gute Arbeitsgrundlage für die europäische Demokratie ist.“, sagte Guy Verhofstadt nach der Verschiebung des Brexit-Datums auf den 31. Oktober, was von nicht wenigen in Europa als „Halloween-Brexit“ verspottet wird. 

Trotzdem hofft der ehemalige belgische Premierminister, dass die Briten selbst schnell zu einem Abkommen zwischen der britischen Premierministerin Theresa May und der oppositionellen Labour-Partei finden werden. Nur dann, sprich bei einem eventuell dann doch vorgezogenen Brexit, müssen die Briten nicht mehr zur Europawahl gehen, glaubt Verhofstadt.

Aber, so der flämische Liberale weiter, dies kann auch Wunschdenken bleiben, denn es könnte auch sein, dass dieser neuerliche Aufschub den Druck auf die britische Politik wegnimmt, sich politisch zu einigen. Gegenüber VRT NWS gab er dazu zu verstehen: „Die wichtigste Frage lautet denn auch, ob dies nicht auch den notwendigen Druck im Vereinigten Königreich wegnimmt, ein solches Abkommen zwischen Labour und Tories zu erreichen, denn solche Gespräche laufen ja gerade.“ 

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