© Sabine Joosten/Hollandse Hoogte

Flanderns Medizinstudenten sehen Quoten für Facharztausbildungen kritisch

Flandern möchte den Zugang zu bestimmten Facharztausbildungen ab 2021 mit Quoten  beschränken. Der Grund: Derzeit gebe es beispielsweise zu viele Bewerber für Gynäkologie und Radiologie, während es zu wenige Notärzte, Psychiater und Mediziner für Altersheilkunde gibt. Studentenvertreter fordern statt Quoten, betroffene Facharztrichtungen für Absolventen des Medizinstudiums attraktiver zu machen.

Das Problem ist seit Jahren bekannt. In unserem Land fehlen Geriater, Jugendpsychiater und Notärzten während es zu viele Radiologen, Anästhesisten und Gynäkologen gibt. Das hat unter anderem mit Geld zu tun. Radiologen verdienen viel mehr als Jugendpsychiater, so dass die Ausbildung zum Radiologen für Studenten bisher attraktiver ist.

Umgekehrt ist es für Radiologen, die bereits aktiv sind, interessant, vielen Studenten Ausbildungsplätze anzubieten. Schließlich erfüllen alle diese jungen Menschen in der Ausbildung auch technische Aufgaben. Sie machen Röntgenaufnahmen und Scans, die pro Leistung bezahlt werden. Dieses Einkommen geht an den Radiologen, der die Studenten betreut, und über seine Beiträge auch an das Krankenhaus selbst.

Ein Jugendpsychiater hingegen, der junge Menschen mit psychischen Schwierigkeiten behandelt, investiert viel mehr Zeit in diese Arbeit und das für ein viel niedrigeres Gehalt. Und so gibt es zu wenig Jugendpsychiater. Die Regierung will diesem Ungleichgewicht nun mit Quoten entgegenwirken.

„Die Wahlfreiheit ist wichtig"

Medizinstudenten erkennen das Problem, stehen der Einführung von Quoten jedoch kritisch gegenüber. "Für die Qualität der Versorgung ist es von grundlegender Bedeutung, dass zukünftige Ärzte frei wählen können, welcher Fachrichtung sie folgen wollen", sagt Jens Tijtgat, Vorsitzender des ‚Vlaams Geneeskundig Studenten Overleg‘ (dt.: Flämischer Medizinstudentenrat), kurz VGSO.

Der VGSO ist der Ansicht, dass es besser ist, angehende Facharztkandidaten umfassend zu informieren und zu sensibilisieren.  "Darüber hinaus müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Attraktivität der Berufe, in denen es einen Nachwuchsmangel gibt, zu erhöhen. Zum Beispiel durch eine bessere Bezahlung, durch Vorteile der Niederlassung und durch die Aufwertung der ihr vorausgehenden Ausbildung.“

Bedingungen für die Einführung von Quoten

Wenn trotzdem Quoten eingeführt werden, sollten sie an bestimmte Bedingungen geknüpft werden. Die Studierenden sollten wissen, welche Quoten mindestens drei Jahre im Voraus gelten. Die Quoten müssen gerecht auf die verschiedenen flämischen Universitäten verteilt werden, und das Auswahlverfahren muss an allen diesen Universitäten so einheitlich wie möglich sein.

Was werden die Medizinstudenten jetzt noch tun? "Wir wollen uns sicherlich mit der Regierung und den medizinischen Fakultäten an einen Tisch setzen. Wenn es Quoten geben soll, wollen wir sicherstellen, dass diese so gut wie möglich eingeführt werden."

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