Bischof De Kesel zu Pädophilie in der Kirche: "Im Falle neuer Taten wird die Justiz sofort informiert“

Anlässlich des Osterfestes hatte unser Sender VRT ein Gespräch mit Kardinal De Kesel, dem Erzbischof von Mechelen-Brüssel. Angesprochen wurde eine Reihe von Themen, die heute in der Gesellschaft und auch in der Kirche aktuell sind, wie Missbrauchsskandale, von denen erst kürzlich wieder welche ans Licht gekommen sind. De Kesel betont, dass für Kinderschänder keine Toleranz gelten dürfe.

In der belgischen katholischen Kirche herrsche inzwischen Nulltoleranz gegenüber sexuellem Missbrauch an Kindern durch Kirchenleute. Im Falle neuer Taten würde die Justiz sofort informiert, sagt Kardinal Jozef De Kesel an diesem Freitag in einem Osterinterview mit unserem Sender VRT.

"Das hat unsere Glaubwürdigkeit wirklich beeinträchtigt", so der Kardinal. "Also werde ich nicht behaupten, dass das hinter uns liegt. Wir müssen weiterhin wachsam bleiben", fährt der Kardinal fort. „Unsere Verhaltensregeln schreiben jetzt vor, dass die Gerichte im Falle neuer Taten unverzüglich informiert werden (....). Die Fakten sind nicht immer gleich schwer und die Sanktionen werden  unterschiedlich ausfallen. Doch hier gibt es keine Toleranz."

Als ehemaliger Bischof von Brügge hat De Kesel selbst viele Opfer getroffen. "Ich kann verstehen, dass für viele das Maß voll war. Ich habe Dinge gehört, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren. Ein Missbrauch ist etwas Irreparables. Wir müssen weiterhin handeln. Und zu sagen, dass das auch anderswo passiert sei, ist unangebracht. Das kann keine Entschuldigung sein."

Der belgische Primat spricht in dem Interview auch die Frage der Migration an. Als Angela Merkel "wir schaffen das" sagte, sei sie laut Bischof De Kesel missverstanden worden. Die deutsche Bundeskanzlerin habe davon gesprochen, Verantwortung zu übernehmen: "Sie meinte nicht, dass Flüchtlinge einfach kommen könnten, sie meinte, dass man das nicht einfach ignorieren könne."

Die Migration müsse kontrolliert erfolgen, aber das verhindere nicht, die Durchführung einer großzügigen Migrationspolitik, so der Erzbischof von Mechelen-Brüssel auch noch. "Es ist ein weltweites Problem. Wer die Bedingungen erfüllt, muss hierher kommen können. Auf kontrollierte Weise. Gleiches gilt für die ökologischen und sozialen Probleme: Sie werden uns Kosten verursachen. Wir werden Opfer bringen müssen."

Die "unglaublich wichtige" Klimafrage wägt die Zukunft unseres Planeten ab, so De Kesel. "Ich unterstütze die Idee der integralen Ökologie, die von Papst Franziskus verteidigt wird. Wir spüren den Druck, der zu Recht von jungen Menschen ausgeübt wird, die auf die Straße gehen, aber es gibt auch noch die soziale Frage, die zum Beispiel die Gelbwesten stellen. Diese beiden Fragen lassen sich nicht trennen. Es geht um "die Bewohnbarkeit unseres gemeinsamen Hauses". Auch die Armen sollten nicht Opfer nachhaltiger Energiemaßnahmen werden, fügt der belgische Primat hinzu.