Hilfeschrei der belgischen Birnenbauern

Die belgischen Birnenbauern machen eine schwere Krise durch. Infolge einer Anhäufung mehrerer Faktoren, darunter die Dürre des letzten Jahres, können sie ihre Ernte kaum verkaufen. Etwa ein Drittel der Birnen sind unverkäuflich. Birnen, die doch noch verkauft werden, werden mit großem Verlust veräußert. Nach mehreren schwierigen Jahren ist jedoch kaum noch Spielraum für Verluste. "Ich habe so etwas noch nie erlebt und hoffe, dass ich das nie wieder erleben werde", bezeugt ein Obstbauer gegenüber unserem Sender VRT NWS.

Die flämischen Birnenbauern haben seit Jahren zu kämpfen, und die anhaltende Dürre des letzten Jahres scheint für viele Landwirte einfach zu viel. Aufgrund dieser Dürre konnten die Birnen nicht ausreichend wachsen, bevor sie am Ende des Sommers gepflückt und in die Kühlhäuser gebracht wurden.

In diesen Kühlhäusern werden die Birnen monatelang aufbewahrt, bis sie in den Geschäften ausgelegt werden. Doch jetzt, da sie aus dem Kühlhaus genommen werden, erweist sich etwa ein Drittel der Birnen als unverkäuflich. Da sie zu wenig Wasser bekommen haben, sind sie zu klein und halten sich nicht so gut.

Birnensirup oder für ein Almosen zur Biogasanlage

Für die nicht mehr verkäuflichen Birnen müssen die Bauern eine andere Lösung finden. Im besten Fall werden sie zu Birnensirup-Fabriken oder Unternehmen gebracht, die Birnensaft oder andere Produkte daraus herstellen.

Immer häufiger werden die Birnen jedoch als Futtermittel verwendet oder zu Biogasanlagen transportiert, wo Strom und Wärme erzeugt werden. Mit etwas Glück erhalten die Bauern gerade noch ein Almosen für ihre Birnen, aber wenn man die Transportkosten mit einbezieht, müssen sie oft noch draufzahlen.

Verluste

Die Birnen, die die Bauern doch noch verkaufen können, können sie nur zu sehr niedrigen Preisen anbieten, sagt Luc Borgugnons, Obstbauer und Vorsitzender der Obstfachgruppe des Bauernverbandes.

"Als Bauer bekommst du heute rund 30 Cent pro Kilo für die sehr guten Birnen. In einem guten Jahr ist das etwa doppelt so viel, während die Kosten bei etwa 50 Cent liegen. In einem guten Jahr machen wir einen Gewinn von 10 und maximal 20 Cent", rechnet Borgugnons vor. Aber jetzt müssten die Obstbauern in den Büchern so viel Verlust pro Kilogramm schreiben.

Die Birnenbauern hatten nicht viel Spielraum für Verluste. Vor allem die Folgen des so genannten Russland-Boykotts sind nach wie vor zu spüren. Der Boykott ist seit 2014 in Kraft, weil Putin die Krim annektiert hatte. Infolgedessen können die belgischen Bauern ihre Birnen nicht mehr an die Russen verkaufen. Doch das war ein sehr wichtiger Markt für Belgien.

Hinzu kommt die zunehmende Konkurrenz durch osteuropäische Landwirte, die immer noch stark von der Europäischen Union subventioniert werden. Diese Birnen kommen auf die gleichen Märkte wie die belgischen und treiben die niedrigen Birnenpreise noch weiter nach unten.

Stürme, Frost und Dürre

Ferner gab es noch weitere Rückschläge in den letzten Jahren. "2011 hatten wir den Pukkelpop-Sturm, 2014 den Pfingststurm, 2016 einen Juni-Sturm mit vielen Schäden, 2017 hatten wir viele Frostschäden und 2018 eine große Dürre", resümiert Luc Borgugnons.

All diese Rückschläge haben sich in den letzten Jahren angesammelt und waren eine große Belastung für die Rücklagen der Bauern. "In der Vergangenheit mussten wir in zehn Jahren durchschnittlich zwei Rückschläge hinnehmen. Die anderen acht Jahre nutzten wir für die Bewältigung dieser Rückschläge. Aber die Dürre des letzten Jahres ist ein zu großes Problem", sagt Luc Borgugnons. "Du kannst Deine Verluste nicht mehr abfedern. Ich habe das noch nie erlebt und hoffe, dass ich das nie wieder erleben werde."

Rechnet man die Dürre des letzten Jahres hinzu, könne man in diesem Jahr von einer echten Katastrophe sprechen, so Borgugnons. "Ich habe eine Reihe von Kollegen, die bereits aufgehört haben, und ich kenne viele, die darüber nachdenken, ihren Betrieb einzustellen. Es sieht im Moment keineswegs rosig aus."

EU sollte Boykott gegen Russland aufheben

VRT NWS rief auch mehrere andere Obstbauern an und erhielt jedes Mal die gleichen Aussagen, dass die Situation schlimmer denn je sei. "Bald werden wir nur noch für den Blütentourismus hier sein", so ein Obstbauer ängstlich.

Fragt man sie nach Lösungen, schlagen die Züchter verschiedene Möglichkeiten vor. Eine höhere Vergütung zum Beispiel oder noch besser, Bemühungen Europas, den russischen Markt wieder zu öffnen und/oder neue Märkte zu erschließen. Auch die Subventionen für osteuropäische Landwirte bedauern die belgischen Landwirte, selbst wenn diese natürlich dazu dienen, die dortige Wirtschaft zu stärken.

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